Die Geschichte von Atalia

„Atalia ….“ füsterte die Stimme, „Atalia … wach auf, das Leben im Zauberwald erwartet dich.“ Es war eine sehr freundlich klingende Stimme. Sie kam aus dem Morgennebel und war auf eine grosse Blüte gerichtet und schien überall zu sein. Die ersten Strahlen der Morgensonne hatten bereits die Waldlichtung erreicht und verwandelten den Nebel in ein strahlendes Weiss. In dem Moment als die Stimme zu vernehmen war erreichten sie die noch geschlossene Blüte in der Mitte der Lichtung. Unter der augenblicklich zu verspürenden Wärme der Sonne begannen sich ihre Blätter langsam zu regen. Der Morgentau der dabei ins weiche Gras viel brach die vielen einzelnen Lichtstrahlen und ein helles Glitzern entstand.
Genau so hatte sich der weisse Zauber das vorgestellt. Die ganz Nacht hatte er alle Zutaten zusammengetragen und war sehr fleißig gewesen. „Die Zeit ist reif für eine neue Elfe“ hatte er sich gesagt und war daran gegangen diese in der vergangenen Nacht zu erschaffen. Von den Zutaten der Elfe hatte er diesmal nichts Preis gegeben. Die Tier im Zauberwald hätten es nur zu gerne gewusst, aber diesmal war er ganz still gewesen. Nicht ein einziger Hinweis kam über seine Lippen. Und jetzt war es so weit. Viele der Tiere aus dem Zauberwald hatten sich auf der Lichtung um die Blüte versammelt. Die ganze Nacht waren sie behutsam und ruhig in der Nähe gewesen um den weissen Zauber nicht zu stören bei seinem Werk. Doch jetzt wussten sie, dass es soweit war und bewegten sich vorsichtig auf die Blüte zu. Gespannt und neugierig darauf wie die Elfe diesmal aussehen würde.
Viele Elfen sind Kinder von anderen Elfen, nur manchmal hält der weisse Zauber es für notwendig Elfen ganz neu zu erschaffen. Viele Arten hat er dadurch schon hervorgebracht und einer jeden Art gibt er etwas besonderes mit. Etwas was er für notwendig hält um die Welt ein bisschen besser zu machen. Um einen Ausgleich zu schaffen zu den schwarzen Mächten, die immer wieder in neuen Gestalten auftauchen.
Immer weiter öffnete sich die Blüte unter dem Einfluss der Morgensonne bis sie schliesslich die Form eines Beckens einnahm. Den Tieren stockte den Atem und viele starrten mit offenem Mund auf die grosse Blüte die im Glanze des Morgenslichtes und des schimmernden Nebels nun ganz hell erstrahlte. ‘So still erlebt man den Zauberwald nur ganz selten’, dachte der weisse Zauber bei sich, ’selbst die Vögel haben heute ganz auf ihr Morgenlied vergessen’. Aber es war ja auch etwas besonderes. Nur alle paar Hundert Jahre ereignete sich so etwas.
Und dann geschah es. Kleine Händchen kamen über den Rand der Blütenblätter, hielten sich dort fest und im Licht der Sonne konnte man durch die Blätter hindurch den Umriss einer zierlichen Elfe erkennen, die sich langam aufsetzte. Sie streckte sich kurz und schob anschliessend vorsichtig den Kopf soweit nach oben das sie gerade mal über den Rand sah. Grüne Augen und ein dicker Wuschel dunkelroter Haare und spitze Elfenohren waren zum Vorschein gekommen. Die strahlenden Augen der kleinen Elfe waren so eindrucksvoll, dass vielen der Tiere des Waldes der Mund noch weiter aufging.
Der weisse Zauber konnte die Begeisterung des Waldvolkes deutlich spüren und lächelte zufrieden in sich hinein. Die kleine Elfe drehte den Kopf langsam in alle Richtungen um sich umzusehn. Doch egal wohin sie sich wandte, überall um sie herum erblickte sie Tiere, die sie alle mit grossen Augen neugierig anstarrten. Der weisse Zauber, der schon seit ewigen Zeiten im Zauberwald lebte, war gespannt was sie nun tun würde.
Die kleine Elfe erhob sich und die Tier erblickten ein kindliches Gesicht mit einem wundervollen Lächeln. Die jüngsten der Familie des Zauberwaldes waren begeistert sie fingen an in die Hände zu klatschen und jubelten. Die Stille war gänzlich gebrochen denn auch alle anderen Tiere erwachten nun nach und nach aus ihrer Starre und schlossen sich dem Klatschen und Jubeln an.
Doch was geschah mit der kleinen neuen Elfe? Erschrak sie denn nicht aufgrund dieser stürmischen Begrüssung des Waldvolkes? Keineswegs, der weisse Zauber hatte ihr die Fähigkeit mitgegeben die Gefühle der Wesen spüren zu können, welche sich in ihrer Umgebung aufhalten. Und was sie hier spürte war die Fröhlichkeit von Tausenden von Herzen. Sie lächelte nun noch schöner und mit einer schnellen Bewegung schwebte sie sanft ein Stück oberhalb der Blüte. Die Tiere des Waldes konnten sie nun in ihrer ganzen Grösse erkennen.
Doch was war das? Was waren denn das für Flügel? Soetwas hatten die Tiere noch nicht gesehen. Der weisse Zauber hatte der Elfe Flügel aus Nebel gemacht. Sie leuchteten hell und flatterten kaum wahrnehmbar auf ihrem Rücken. Weder ein Luftzug noch ein Geräusch war von diesen Flügeln aus zu vernehmen. Die Begeisterung der Tiere stieg und die Kleinsten jubelten noch mehr. Eine ganze Weile hielt diese Stimmung auf der Waldlichtung im Zauberwald so an. Und als die Tiere sich langsam zu beruhigen begannen, erhob der weisse Zauber wieder seine freundlich klingende Stimme.
„Ich begrüsse dich, kleine Elbe des Nebels. Der Nebel soll ein Zeichen für deine Art sein und die Liebe ist das Grundelement und der Schlüssel zu deinen Begabungen.“ Eine ganze Weile dauerte die Ansprache des weissen Zaubers noch. Und er zählte dabei alle Dinge auf die zur Eigenart der kleinen Elfe gehörten. Die Tiere hörten aufmerksam zu und die Ältesten unter ihnen verstanden sofort welche geheimnisvollen Kräfte dieser neuen Elfenart zu eigen waren. Eine Elbe des Nebel war sie nun also diese kleine Elfe. Viele Jahre würde sie noch verbringen in der Obhut der Familie der Tiere des Zauberwaldes. Dabei sollte sie ungestört lernen, fern von den fremden Einflüssen der Welt für dessen Hilfe der weisse Zauber sie geschaffen hatte.
Die Weisheit der Ältesten des Zauberwaldes sollte sie zunächst lernen und Grundbegriffe der Magie, die in der Natur wohnen. Doch würde sie ein Geheimnis in sich tragen eine Begabung dessen sie sich erst bewusst werden sollte wenn die Zeit dafür reif wäre.
So lebte Atalia ganze 200 Jahre im Zauberwald, geborgen bei den Tieren des Waldes, behütet und belehrt vom weissen Zauber der magischen Kraft des Waldes. Dann wurde sie hinausgesandt in eine Welt in der Verzweiflung, Missverständnisse, Habsucht und Traurigkeit vorherrschen. Würde sie ihren Weg finden? Die Aufgaben und die Hoffnungen erfüllen für die der weisse Zauber sie geschaffen hatte? Könnte sie jemals so hell leuchten, dass sie zusammen mit all den anderen noch lebenden Elfen in dieser Welt alles zum Guten bewendet?