Die Schattenfrau (Januar 2008)

Atrista stampfte wütend zurück ins Sanctum. Gerade war der Schatten wieder aufgetaucht und wollte die Königin vor sich auf die Knie zwingen. Nur das tapfere Einschreiten aller Amazonen und der Schamanin war es zu verdanken, dass sie diese Schmach nicht hatte ansehen müssen. Eine Amazone, noch dazu die Königin auf den Knien vor einem Größenwahnsinnigen aus der Unterwelt. Unvorstellbar dieser Gedanke. Kamaria war aufgetaucht und hatte dem Schatten Einhalt geboten. Atrista grübelte über die Rolle dieser Schattenfrau. Mit ihrer Hilfe hatten die Amazonen wichtige Erkenntnisse aus der Welt der Schatten erlangt und soeben hatte sie gezeigt, dass sie den Amazonen nicht feindlich gesinnt war. „Aber warum tun sich die Schatten nicht zusammen gegen den Einen, warum können Schatten nicht Schatten bekämpfen?“, murmelte sie vor sich hin.

Jadzia die Leibwächterin der Arbitra und Kriegsherrin hatte Mühe Schritt zu halten. Atrista wanderte im Sanctum auf und ab und irgendwann hatte Jadzia die Erkenntnis einfach in der Mitte des Sanctums stehen zu bleiben um so die Hoheit ständig im Auge zu behalten. „Darf ich fragen, was die Arbitra so beschäftigt?“ Jadzia stellte die Frage als Atrista gerade mal wieder an ihr vorbeirauschen wollte. Atrista blieb abrupt stehen, so als wäre sie gegen eine Wand gelaufen, ballte eine Faust und fuchtelte damit vor Jadzias Gesicht herum. Die Leibwächterin drehte vorsichtshalber mal den Kopf zur Seite.

„Ich habe diese Demütigungen satt, ich will diese Bestie im Staub sehen“, zischte sie und fuchtelte weiter mit der Faust herum, „unsere König geht auf Geistreisen, und die Krieger planen und planen. Seit Tagen haben die den Auftrag mir eine Kampfstrategie vorzulegen, muss ich das auch noch selbst erledigen?“ „Aber …“, Jadzia machte einen Versuch die Arbitra zu beruhigen, „es ist doch erst 5 Tage her seit sie den Kriegszustand ausgerufen haben und die Krieger wollen auch keinen Fehler machen“. Als Jadzia in das völlig entgeisterte Gesicht der Arbitra schaute fasste sie sich ein Herz und legte nach: „…und ich habe das Gefühl, dass die Hoheit dem Volk und den Kriegern nicht alles erzählt hat was sie weiß.“
Atrista`s Gesicht erstarrte zu einer Maske und langsam erhob sie ihren rechten Zeigefinger und zeigte damit drohend auf ihre Leibwächterin. „Was meinst du damit? Was willst du mir damit sagen?“ Leise und bedrohlich klang diese Stimme in Jadzia`s Ohr und ihr wurde ganz mulmig zumute. So kannte sie die Hoheit nicht. Lediglich von den Erzählungen der älteren Amazonen wusste sie, dass die Arbitra in diesem Zustand gefährlich sein soll und es sollen da auch schon mal Köpfe gerollt sein. Jadzia fing an zu schwitzen und am liebsten würde sie sich jetzt in einem Loch verstecken. Hatte sie sich mehr herausgenommen als es ihr als Leibwächterin zustand? Sie konnte es sich auch nicht erklären aber diese Worte waren ihr einfach so herausgerutscht.

„Was weißt du?“ Die Worte trafen Jadzia wie Ohrfeigen und der Zeigefinger schien sich in ihr Herz zu bohren. „Was weißt du?“ zischte Atrista gefährlich leise. Jadzia wusste gar nicht woher sie den Mut hatte darauf eine Antwort zu geben. „Ich weiß gar nichts, ich habe nichts gesagt, ich bin nur da um euer Leben zu schützen“, und als sie merkte, dass sie die Arbitra damit nicht überzeugen konnte fügte sie hinzu, „es war nur ein Gefühl. Wir sind alle verunsichert und wundern uns woher sie die Sicherheit nehmen und so zuversichtlich sind, dass wir den Kampf gegen den Schatten gewinnen. Mein Gefühl sagt mir und wohl auch weil ich volles Vertrauen in euch habe, dass diese Zuversicht einen Grund haben muss.“ Atrista ließ langsam den drohenden Finger sinken und schaute ihre Leibwächterin versöhnlich an. „Ich mag Amazonen, die die Balance zwischen ihren Emotionen und ihrer Ratio gefunden haben, das sind denkende und gute Amazonen.“ Jadzia ließ erleichtert und hörbar die angehaltene Luft aus ihren Lungen. Jetzt schaffte sie es auch dem Blick der Hoheit stand zu halten. „Wir werden gewinnen, weil sich die Geschichte wiederholt“, die scheinbar endlose Stille wurde durch die leisen Worte der Hoheit unterbrochen. Alles wiederholt sich, der ganze Kosmos ist ein Kreislauf. Und die Königin hat mit der Verbindung mit Kamaria etwas geschafft was noch keinem Wesen vorher gelungen war. Wir wissen jetzt, dass die Schatten uns nicht böse gesinnt sind, im Gegenteil, die Schatten sind ehrwürdige Tote, unsere verblichenen Heldinnen sind in diesen Schatten vereint. Und nur dieser eine“, Atrista ballte wieder die Faust, „nur dieser eine größenwahnsinnige Popanz tanzt da aus der Reihe und wird gefährlich, gefährlich für alle existierenden Welten. Und schon die Sagen längst untergegangener Völker berichten davon, dass immer wieder einer aus der Unterwelt besiegt wurde weil er das kosmische Gefüge stören wollte. Deswegen bin ich mir so sicher, weil wir die Wiederholung der Geschichte sind.“

Als Atrista merkte wie ungläubig Jadzia sie anstarrte, legte sie einen Arm um sie und sagte: „du sollst eine der Wenigen sein die etwas mehr wissen dürfen.“ „Kennst du die Geschichte der verschwundenen Matrona?“ Jadzia schüttelte den Kopf. „Sagen dir die Worte Teiwaz und Haljo etwas?“ Als Jadzia abermals den Kopf schüttelte für die Arbitra fort: „Es ist jetzt schon einige Winter her, da ist hier eine Matrona verschwunden. Niemand der Amazonen konnte sich erklären warum und wohin und es wurde lange getrauert. Tatsächlich aber wurde sie von der Königin und mir mit einem gefährlichen Auftrag betraut. Wir hatten auf unseren Reisen eine neue und sehr gefährliche Welt entdeckt. Auf dieser Welt so scheint es gibt es einen Zugang zur der Unterwelt, der Haljo. Diese Matrona hat von uns den Auftrag sich auf dieser Welt anzusiedeln und für uns die Unterwelt zu erkundigen. Wir haben den Auftrag nach dem germanischen Kriegsgott Teiwaz benannt. Die Mission musste geheim bleiben weil diese Nachrichten wohl eine Panik ausgelöst hätte oder dumme Helden hätten sich auf den Weg zu dieser Welt gemacht und hätten dann das Leben unserer Schwester dort noch gefährlicher gemacht als es ohnehin schon ist.“

„Wir haben eine Schwester, die wir alle für tot halten und die für uns ihr Leben riskiert?“ Jadzia keuchte die Worte ungläubig hervor. Atrista nickte mit dem Kopf. „Ja, psssst …, und wenn dir an ihrem Leben etwas liegt dann bleibt sie auch tot, jedenfalls vorläufig noch.“ Atrista wartete kurz bis sich das Erstaunen etwas gelegt hatte. „Von ihr wissen wir, dass die Schatten immer auf der Seite der Menschen waren wenn sie von der Unterwelt bedroht wurden. Insofern war die Reise der Königin in den Geist der Schattenfrau wichtig. Wir haben einen Beweis dafür. Wir wissen auch, dass die Haljo von Hel regiert wird. Hel ist die Totengöttin und ist die Tochter von Loki dem Feuerbringer und der Riesin Angrboda, die Kummerbereiterin. Man weiß noch nicht genau ob sie wirklich Göttin oder ob sie eine Riesin ist. Ihre Haut ist zur einer Hälfte von normaler Farbe, zur anderen blau-schwarz, was bedeutet, dass sie halb tot und halb lebendig ist. Zusammen mit ihren beiden Geschwistern, dem Fenriswolf und der Midgardschlange, wurde sie von den Asen nach Asgard gebracht, da die Götter sich vor den Kindern Lokis fürchteten. Während der Fenriswolf an die Kette Gleipnir gebunden und die Midgardschlange von Odin ins Meer geworfen wurde, verbannte man Hel aus Asgard, woraufhin sie nach Norden ging, wo sie ihr eigenes Reich gründete. Dort holt sie all diejenigen zu sich, die eines natürlichen Todes sterben, während die im Kampf gestorbenen nach Walhall an Odins Tafel gelangen. Es gibt also noch viele andere Reiche in dieser Unterwelt dort die es zu erforschen gilt“ Atrista machte eine bedeutungsvolle Pause und fügte dann hinzu: „Das ist das was wir bisher wissen. Wir wissen nicht warum und wieso Thor zu einem bösen Schatten wurde, ob er in dieser Haljo etwas entdeckt hat oder ob er ausgestoßen wurde wir wissen es nicht. Kamaria die Schattenfrau hat uns den Weg aufgezeigt wie wir ihn unschädlich machen können. Jetzt will ich endlich einen Plan haben, eine Strategie“ Jasemin folgte Atrista und Jadzia unauffällig, sie versteckte sich hinter einer Säule und hörte gespannt zu. Ihre Augen wurden immer größer und ihr Herz pochte vor angst als sie die Worte von Atrista vernahm. Ihre Neugier siegte über die Angst entdeckt zu werden. Ihre Knie zitterten als sie die laute und wütende Stimme nahe bei sich vernahm, sie wagte nicht zu atmen und die Augen wurden groß als sie hörte was mit der Matrona passiert war. Ist die Matrona im Schattenreich verschollen? Jasemin merkt wie ihr Blut in die Beine geht und kalter Schweiß auf ihre Stirn tritt, ihr wird schwarz vor Augen und bricht zusammen.

Atrista und Jadzia fuhren wie vom Blitz getroffen herum. Ein metallisches Schaben war zu hören als die Leibwächterin gedankenschnell ihr Schwert zog. Beiden hatten soeben ein plumpsendes Geräusch gehört, ganz in der Nähe. Die beiden Amazonen schauten sich an und Jadzia gab der Arbitra ein Zeichen mit der Hand sich etwas zurückzuhalten. Mutig schlich die Amazone nach vorne und wollte sich gerade hinter einer Säule verstecken, als sie den Grund des Geräusches sah. „Es ist Jasemin, die Unfreie, sie ist ohnmächtig“, rief sie der Arbitra zu und richtete sich auf. Atrista kam nach vorne und beide schauten auf den leblosen Körper. „Sie hat wohl gelauscht, jetzt werde ich sie töten müssen“, sagte Atrista leise. Jadzia schaute ungläubig hoch. „War nur ein Spaß“, besänftigte Atrista, „wirf sie in das Bad dahinten damit sie wieder zu sich kommt“

Als Jasemin ins Wasser fiel und zu sich kam, schaute sie erst verwirrt sich um. Als sie die Gesichter von Atrista und Jadzia erkannte, lächelte sie verlegen. Stammelte ein paar unverständliche Worte, stieg aus dem Bad und versuchte sich davon zu trollen. Jadzia stellte sich Jasemin in den Weg, zog ihr Schwert und hielt es der Kleinen auf die Brust. Laut und deutlich, so dass keine Zweifel an ihren Worten aufkommen sollten sagte sie über die Schulter zur Arbitra: „Hängen wir sie zum trocknen in der Taverne auf…. so ein bis zwei Tage?“ Jasemin blieb kreidebleich wie angewurzelt stehen und drehte sich um, sank auf die Knie und schaute mit Tränen in die Augen Atrista flehend an. Mit zitternder Stimme sprach sie zu Atrista:“ Bitte Herrin….lasst Gnade walten.“ sprachs und senkte den Blick zum Boden.

Fatae saß in der Tarverne und dachte über den Besuch des Schatten nach. An diesem Besuch war so einiges merkwürdig gewesen. Diese Karmaria, nannte die Königin, „meine Schwester“ und die Blicke die die beiden tauschten, bereiteten Fatae ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Aber nicht allein dies beunruhigte sie, nein die ganze Situation. Dieser Schatten war wieder da gewesen und er wollte die Königin in die Knie zwingen, er wollte sie vor sich auf den Knien sehen. Fatae dachte daran wie sie sich alle vor ihre Königin stellten, obwohl sie eigentlich keine Chance gehabt hätten gegen ihn, sie wusste wenn er wirklich gewollt hätte, hätte er sie alle vernichten können. Warum tat er es nicht einfach, geht es ihm wirklich nur um Junn? Wer waren diese Schatten wirklich und will Kamaria uns wirklich helfen oder ist das alles eine Finte von den beiden? Fatae nahm einen kräftigen Schluck von ihrem köstlichen frisch von Alika zubereitetem Tee. Das warme Gebräu tat gut, es schien die eisige Kälte zu vertreiben, die der Schatten in Fatae hinterlässt. Sie denkt: Alika macht wirklich sehr guten Tee, hoffentlich können wir ihn noch sehr lange genießen. Und schon wanderten ihre Gedanken wieder zu dem Schatten. In den nächsten Tag, würde sie mit der Kriegerin des Feuers und ein paar ausgewählten Kriegerinnen ins Elfenland ziehen um vor Ort einen Plan und eine Strategie gegen den Schatten auszuarbeiten. „Werden wir wirklich Erfolg haben? Wir müssen einfach, schon allein um zu verhindern, dass die Königin sich nochmals auf eine Vereinigung mit Kamaria einlässt, das darf nicht noch mal passieren. Ich traue diesem Wesen nicht“, murmelte sie vor sich hin.Während sie ihren Gedanken nachhing, kam Smaragd von ihren Streifzügen durch Amazonien in die Tarvene.

Fatae musste schmunzeln als sie ihre Schwester sah und schüttelte den Kopf “ Smaragd du kannst auch immer essen oder?“ und lächelte die auf einem streifen Trockenfleisch kauende Smaragd an. Smaragd aß genüsslich ihr Fleisch und grinste Fatae nur an. „Über was grübelst du?“, fragte Smaragd. „Über den Schatten….“, kaum hatte sie dieses Wort über die Lippen gebracht, knurrte Smaragd laut auf, wie sie es immer tat wenn es um den Schatten ging. Sie würde ihn am liebsten, wie wir alle, in der Luft zerreisen. Aber das war ja das Problem, sie waren machtlos, er konnte im Moment einfach alles mit ihnen machen. „Beruhige dich, Schwester, unsere Stunde wird kommen und dann werden wir ihm zeigen das er mit uns nicht alles machen kann.“, sprach Fatae und dachte weiter: „aber was kommt danach? Ist es dann wirklich erledigt, wenn wir diesen einen Schatten besiegt haben? kommt da noch irgendwas? Gibt es vielleicht noch irgendwas was uns die Hoheiten verheimlichen?“ Fatae trank den letzten Schluck aus ihrem Becher und stellte ihn auf den Tisch vor sich. „Ich hoffe wir werden bei unserem Besuch im Elfenland vorwärtskommen und ich hoffe wir werden wenn wir zurück sind eine gute Strategie und einen Plan der Richterin vorlegen können“, sagte Fatae mehr zu sich selbst, aber Smaragd nickt ihr zu.

Sie wussten beide, dass die Kriegerinnen langsam den Mut verloren, da sie nichts ausrichten konnten, es musste langsam etwas passieren, bevor der Schatten uns wirklich niederzwingen konnte. „Wir müssen es einfach schaffen“, dachte sich Fatae und Smaragd schien ihre Gedanken zu erraten…..“Wir werden es schaffen“, mit diesen Worten verschlang Smaragd den letzten Happen ihres Fleisches und hielt nach Nachschub Ausschau.

Atrista schob die Felle beiseite und stand auf. Das Lager neben ihr war leer und als sie sich umschaute gewahrte sie Amelie vor dem Bad nackt auf einem Kissen kniend in ihrer morgendlichen Meditation. Atrista lies eine Weile ihre Augen über den Körper wandern.„Du bist schön“, sagte sie, drückte Amelie einen Kuss auf die Stirn, strich ihr mit einer Hand durchs Haar und kletterte in den Badeteich. Das Wasser war warm und in einigen Ecken des Teiches auch heiß. Die ersten Kundschafter, die das neue Land entdeckten hatten an dieser Stelle heiße Quellen gefunden und den Platz sofort für die Hoheiten reserviert. Atrista lies sich langsam in das Wasser gleiten und spürte wie ihre Schläfrigkeit langsam aus ihrem Körper verdrängt wurde. Sie räkelte sich in einer seichten Ecke, legte die Arme auf den Rand des Teiches und legte ihren Kopf nach hinten dabei lies sie Amelie nicht aus den Augen.

„Ich hatte einen seltsamen Traum“, hörte sie Amelie sagen und ohne dass Amelie sich aus ihrer Meditation löste fuhr sie fort, „die Begegnung gestern mit Kamaria und ihr Vorschlag haben mich heute Nacht lange beschäftigt. Ich träumte von einem Ort und in dem Traum nannte ich den Ort Arach. Ich sah sehr viele Schatten um diesen Ort herum und alle schienen sie irgendwie aufgeregt, besorgt, ich hatte das Gefühl sie fürchteten sich vor Drough. Da war noch mehr. Ich sah tief unter der Erde verborgen Wesen wie ich sie noch nie gesehen habe. Halb Licht und Halb Schatten, liebliche Wesen und Dämonen. Sie stritten sich und immer mehr von den Wesen lösten sich aus dem Pulk und versammelten sich um ein großes schwarzes Wesen. Es war Drough und er stand da mit ausgebreiteten Armen.“ Amelie machte eine bedeutungsvolle Pause. „Er sammelt seine Armeen, er wird von Tag zu Tag mächtiger.“

Amelie unterbrach ihre Meditation stand auf und kniete sich an den Rand des Badeteichs. Sie schaute Atrista tief in die Augen und legte beschwörend eine Hand auf ihren Arm. „Wir müssen uns entscheiden“, hörst du, „wenn wir das auserwählte Volk sind und alle Anzeichen sprechen dafür dann müssen wir auf den Vorschlag von Kamaria eingehen. Du musst die Krieger auf diesen Plan einschwören, sie hören auf dich du bist der Warlord, ihr Kriegsherr, mich verehren sie und würden alles für mich geben aber hierbei….“ Amelie atmete tief durch und sprach leise weiter: „…. Ich habe gestern in die Gesichter der Krieger geschaut, diese stolzen Amazonen würden es nicht zulassen, dass ihre Königin vor irgendeinem Wesen einen Kniefall macht.“

Atrista nahm die Hand ihrer Freundin und drückte einen Kuss darauf. „Du weißt doch ganz genau, dass ich schon längst den Vorschlag von Kamaria durchdacht habe. Wir beide stehen zueinander und nichts, nicht die verrückteste Aktion wird uns beide auseinender dividieren. Wir werden Drough stoppen. Warten wir ab was die Krieger an Plänen mitbringen.“

Es war der wöchentliche Tag des Feuergesprächs. Immer donnerstags abends wurden alle Amazonen, Bürger Amazonien und die Freunde der Amazonen zum Feuergespräch geladen, zu dem auch Gäste aus den unterschiedlichsten Welten anreisten. Nach der üblichen Begrüßung von mir, in der auch die Neuzugänge vorgestellt werden und auch sonstige aktuellen Informationen weitergegeben werden, übernimmt immer Atrista, die Richterin, das Wort. Sie versteht es das Volk der Amazonen mit ihren Worten zu fesseln und wenn es sein muss auch wieder in die richtige Richtung zu bringen. Das Thema Nummer eins war natürlich mal wieder „Die Schattenwesen“ und deren Bedrohung und wie wir uns zu verhalten haben, damit die Gefahr die von diesen Wesen ausgeht so minimiert wird das wir keine Verluste haben. Plötzlich schwebte hoch oben über dem Feuerplatz ein schwarzes Etwas. Es war nicht deutlich zu erkennen was es genau war. War es ein Schattenwesen? Es war dann auch wieder verschwunden.

Atrista, fuhr in ihren Ausführungen weiter fort. Aber bald schon tauchte dieses schwarze Etwas wieder auf und landete schließlich mitten im Feuerkreis. Große Unruhe machte sich breit und Amelie erkannte es war Kamaria „ihre Schwester“. Ja, es mag verwunderlich sein, dass Amelie dieses schwarze Wesen als ihre Schwester tituliere, aber nachdem Amelie letztens sich mit ihr im Geiste vereinigt hatte und ihr klar machte dass da Verbindungen bestehen, waren sie Schwestern. Genaueres wußte Amelie noch nicht, aber das innere Gefühl, welches ihr eigen war als Königin und Vertreterin von Pallas, sagte es ihr deutlich, dass da mehr ist, als es den Anschein hatte.

Kamaria machte einen Vorschlag, einen Vorschlag der so gar nicht bei den Anwesenden ankam. Amelie sollte, wenn es soweit wäre, Drough, dem Bruder von Kamaria, die Bedrohung der Amazonen, den Vorschlag machen, ihm zu helfen an Junn heranzukommen. Nach diesem Vorschlag wurden die Schwerter einiger Kriegerinnen gezückt, es war große Unruhe, niemand konnte verstehen, dass Amelie auch noch den Vorschlag gut fand. Aber es war der einzige Weg um Drough zu einem bestimmten Zeitpunkt an eine bestimmte Stelle zu bekommen um ihn zu bekämpfen, im Elfenland. Nach den Ausführungen, verschwand Kamaria wieder, und ließ die Amazonen mit ihren „Ängsten“ alleine.

Ereignisse zum Jahreswechsel (Januar 2008)

Nach dem traditionellen Fest zum Jahreswechsel, welches die Amazonen diesmal sehr ruhig feierten, weil sie immer mit einem Angriff des Schattens rechnen mussten, entschlossen sich die Krieger so schnell wie möglich zu den Elfen zu gehen, um dort die Umgebung selber mit den Karten von SandyLee zu erkunden und sich gute Verstecke oder Hinterhalte zu suchen. SandyLee ging in das Kartenhaus der Späher und setzte sich an den Tisch, wo sie einen Brief beginnt.

„Liebste Candia,
unsere Krieger rüsten sich für den Kampf der Schatten, unsere Hoheiten haben gefährliche Missionen unternommen um wichtige Informationen zu gewinnen, die Zeit ist momentan sehr schnell und die Zeit zwischen den Ereignissen wird immer kürzer. Der große Kampf steht bald bevor.
Bitte bereite die Elfen und unsere Schwester Junn darauf vor.

In Kürze wird eine Abordnung unserer Krieger euer Land besichtigen und für die Kampfstrategie Verstecke und Hinterhalte suchen. Außerdem schauen sie, wo die besten Wege zum Drachen sind, um den Schatten dorthin schaffen zu können, wenn es dann soweit ist. Ich habe mich wieder voll erholt und wieder in Amazonien eingelebt, freue mich aber bald über den neuen Weg wieder zu dir ins Elfenland reisen zu können. Wie geht es dir?

Liebe Grüße
SandyLee
Gefährtin der 7 Winde“

SandyLee nahm ihren Brief und band ihn der Brieftaube von Candias letztem Schreiben ans Bein und schickte sie los. Lange und auch ein wenig wehmütig sah SandyLee der Taube nach. Ihr war mulmig zumute, weil sie nicht wusste, wie es den Elfen und ihrer Freundin ging.

Candia kam von einer Reise zu den Amazonen zurück ins Elfenland. Die Hoheit Annemarie wusste nichts von dieser Reise, denn die kleine Elfe befürchtet das sie es ihr verbieten würde. Doch sie wollte die Bande zwischen den Amazonen und den Elfen stärken und vertiefen. Deshalb machte sich die zierliche Gestalt auf und überflog den langen Weg über das Meer. Angekommen im Land der stolzen und anmutigen Frauen, begegnete sie als erstes Jadzia, einer Kriegerin. Dann lernte sie noch Meik Rau kennen, die ihr eine Führung durch Amazonien anbot. Dieses Angebot konnte die Zauberlehrlingselfe einfach nicht ausschlagen, zu neugierig war sie. Bei der Besichtigung durfte sie auch Fatae Shan kennenlernen.

Zurückgekommen in der Karawansei begegnete sie auch andere Amazonen, darunter waren Janina, scheinbar eine gute Freundin von Junn, denn sie erkannte das Amulett, dass Candia trug, Smaragd und Cindy waren weitere Kriegerinnen. Sowie der Schamanin Regina namens Mai Hyun und sogar Mascha, der obersten Pristerin der Amazonen. Am Ende ihres Besuches hatte die kleine Elfe auch das Vergnügen der Hoheit Amilie gegenüber zu stehen. Königin Amelie bot ihr sogar ein Lager für die Nacht, doch Candia wusste das, wenn sie noch länger dem Elfenland fern bleiben würde, ihr verschwinden bemerkt werden würde und lehnte dankend ab. Dankbar für die Gastfreundschaft der Hoheit und ihres Volkes verabschiedete sich.

Wieder zurück im Elfenland begegnete ihr auf dem Marktplatz Xiue, die Elfe der Einhörner und wurde von ihr sofort mit Komplimenten überhäuft. Verlegen schaute die kleine Elfe ihre Freundin an. Als ihre Verlegenheit verflogen war, berichtete Candia ihr, dass sie eine Nachricht von den Amazonen erhalten hatte, verschwieg ihr jedoch, dass sie soeben bei den Amazonen zu Besuch gewesen war, um sie nicht zu beunruhigen. Die Hüterin der Einhörner schien jedoch nicht überrascht zu sein und fragte nur ob es die Taube von SandyLee sei, die die kleine Zauberlehrlingselfe erhalten hatte. Verwundert fragte sie Xiue woher sie das wusste, denn die kleine Elfe hatte ihr, bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon erzählt. Schmunzelnd erklärte die Wächterin der Einhörner, dass die Tiere des Waldes ihr die Ankunft einer Taube mitgeteilt hatten. Candia war erstaunt und bemerkte daraufhin, dass die Tiere im Wald wohl die unauffälligsten Spione waren, die es gab. Anschließend offenbarte sie ihrer Freundin was in dem Brief stand, der die Taube bei sich trug. Besorgt sah Xiue den Zauberlehrling der Elfen an und sagte: „Das ist eine ernste Nachricht.“ Ebenso besorgt teilte die kleine Elfe mit, dass sie bis zum heutigen Tage, der Königin des Elfenlandes die Botschaft nicht weitergeben konnte.

Doch dann tauchte ihre Hoheit auf und Candia teilte ihr alles mit was in dem wichtigen Brief von SandyLee stand. Annemarie trug der Zauberlehrlingselfe auf sofort eine Antwort an die Amazonen zu senden. Danach musste die Königin leider gleich wieder wichtigen Angelegenheiten nachgehen.
Xiue machte sich indes auf den Weg zu den Höhlen, in denen Junn untergebracht war, um nach dem Rechten zu sehen. Die Elfe der Einhörner fragte, ob die kleine Elfe mitkommen wolle, diese sagte ja, beide schritten zu den Höhlen und kontrollierten, ob alles seine Ordung hat. Nachdem Rundgang sah die Hüterin der Einhörner noch nach dem Drachen, als Candia fragte wie es ihm den ginge, meinte diese: „Er macht immer noch ein Schläfchen“, erleichtert darüber meinte die kleine Elfe: „Also wirkt der Zauber meines Lehrmeisters Jan noch, das beruhigt mich sehr“.

Erschrocken fiel der Zauberlehrlingselfe wieder ein, dass sie ja so schnell als möglich eine Nachricht an ihre Freunde die Amazonen senden sollte, so wie es ihr Königin Annemarie ihr aufgetragen hatte, doch die Taube, die mit der Botschaft von Sandylee gekommen war, war noch viel zu erschöpft. Ratlos schaute sie Xiue an, diese erinnerte sich daran das sie eine Eule im Dorf beim Schlaf beobachtet hatte. Rasch rannte Candia zum Dorfplatz, ging in die Bibliothek, setzte sich an den Tisch und begann sofort zu schreiben.

„Liebste SandyLee,
ich konnte meiner Königin nun endlich deine Nachricht überbringen und ich soll dir mitteilen das auch die Elfen sich zum Kampfe rüsten. Xiue, die Elfe der Einhörner hat heute nach dem Drachen, der im Elfenland haust, gesehen, dieser schläft immer noch, danke des Zaubers der unser Zauberer Jan über ihn gelegt hat. Junn konnte ich leider noch nicht verständigen, zurzeit schläft sie wieder sehr viel, sie will wohl ihre Kräfte für den Kampf sparen.
Ich hoffe du bist beim, von dir angekündigten, Besuch dabei. Es würde mich sehr freuen dich wieder zu sehen.

Mir geht es gut, ich bin nur etwas erschöpft, doch ich werde bereit sein, wenn es darauf ankommt. Schade finde ich nur, dass ich dich bei meinem Besuch in Amazonien nicht angetroffen habe, aber ich vermute du warst auf einer Mission für deine Königin.

Auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen und liebe Grüsse

Von der mit dir seelisch verbundene Candia“

Rasch suchte die kleine Elfe nach dem schönen Tier, nach kurzer Zeit fand sie die weich gefiederte Eule in einem Baum sitzen und sah den nachtaktiven Vogel, wie er sie beobachtete. Sanft lockte Candia sie zu sich und Band ihr die Nachricht an ihren Fuß, noch ein letztes Mal strich sie ihr über das Federkleid und ließ sie dann in die Höhe entsteigen. Müde und auch erschöpft suchte das zarte Wesen ihr Nachtquartier auf. Kaum lag sie auf ihrem Lager schlief sie auch schon ein. Nach dem die Königin von dem Rüsten zum Kampf der Amazonen durch Candia erfahren hatte, wusste sie, dass die Zeit nahe war wo der entscheidende Kampf gegen den Schatten bevorstand. Irgendwie war sie traurig, dass einige verletzt ja sogar sterben werden könnten, doch wichtiger war, dass dem gemeinsamen Feind Einhalt geboten werden musste mit allen Mitteln. Es stand fest – der Schatten würde nicht ruhen bis er alles vernichtet hatte, was ihm im Weg stand.

Eine Amsel sang ihr Morgenlied vom Fluss rüber als die ersten Sonnenstrahlen die Blumen aus der Wiese wach küssten. Tau lag noch auf den Blättern und in einem Spinnennetz glitzerte er wie eine Perlenkette in der Sonne. Kein Wind war zu spüren und es versprach ein schöner Tag zu werden. Die Königin wusste diese Ruhe konnte trügerisch sein, solange der Feind irgendwo im Hinterhalt lauerte auf sein nächstes Opfer. „Ich werde alles Elfen zu einer Besprechung holen“ sagte sie leise zu sich „der entscheidende Kampf mit dem Schatten steht uns bevor“ dachte sie. Unbehagen stieg in ihr hoch. Sie schwebte ihrem Schloss entgegen um die Vorbereitungen für den Kampf zu treffen.

SandyLee schlenderte durch den Wald im Bereich der Späherhütte und hörte es im Wald rascheln. Kurz darauf hörte sie den charakteristischen Ruf der Spähereulen. SandyLee suchte den Wald ab und folgte dem Ruf. Bei der Eule angelangt sah sie die angebundene Nachricht. Sofort löste sie die Nachricht und fing an zu lesen. Nachdem SandyLee den Brief gelesen hatte, ging sie zu den Hoheiten um ihnen davon zu berichten. Leider konnte ihr keiner die Auskunft geben wann die Krieger nun zu den Elfen aufbrechen wollten. SandyLee gelang es auch nicht Cindy oder Fatae mal alleine anzutreffen, denn sie wollte nicht vor allen Amazonen in der Karawansei über den Besuch reden, weil sonst womöglich alle mitreisen wollten. Sie kannte ja ihre Amazonen … immer schön vorne dabei … auch wenn die eine oder andere Nicht-Kriegerin dann bei den Anblicken mal weiche Knie bekam.. was die stolzen Amazonen ja nie zugeben würden .. sie hieen dann lieber den Baum fest, damit der nicht umfällt.

SandyLee wusste nicht was sie Candia schreiben sollte, aber eine der Tauben der Elfen war überfällig und musste eh zurückgeschickt werden, also schrieb sie ganz kurz:

„Liebste Candia,

vielen Dank für deine Nachricht, sobald ich mehr erfahre sende ich die eine weitere Nachricht. Die Krieger treten das Thema Elfenlandreise nicht so breit, daher weiß hier kaum jemand bescheid. Es soll ja erstmal eine geordnete Delegation bei euch vorbeischauen und nicht direkt die ganze Horde.

Schade, dass ich bei deinem Besuch auf Amazonien nicht anwesend war, aber wir Späher sind momentan viel im Wald rund um Amazonien unterwegs um Spuren zu suchen. Es sind ja nicht nur die Schatten die uns bedrohen, die alltäglichen Gefahren dürfen wir nicht außer Acht lassen. Gestern ist ein Wildschwein durchs Sanctum gelaufen, was glaubst du wäre losgewesen wenn es eine der Hoheiten umgerannt hätte. Ich mag gar nicht an das Donnerwetter denken.

Liebste Grüße
SandyLee“

SandyLee band die Nachricht ans Bein der Taube und schickte sie mit einem leichten Wurf los. Nicht wirklich zufrieden schlenderte SandyLee Richtung Karwansei.

Elfen und Amazonen in Sorge (Dezember 2007)

Eine Eule ließ ihre Stimme im Eingang der Bibliothek erklingen. Candia schrecke aus ihrem tranceähnlichen Schlaf auf und schaute das Tier etwas benommen an. Bilder des Traumes, aus dem sie gerade gerissen wurde, geisterten noch in ihren Gedanken herum. Langsam erwachte sie völlig. Leichtfüßig schritt sie zu dem, scheinbar zutraulichen Tier und erkannte, als sie näher trat, dass sie eine Botschaft überbringen wollte. Vorsichtig näherte sich die kleine Elfe und strich, während sie das kleine Stück Papier vom Fuß nahm, über den Bauch der Eule. Erleichtert stelle sie fest das eine Nachricht von SandyLee war und lass diese aufmerksam durch. Anschließend setzte sich Candia wieder an den Tisch, über dem sie während ihrer Studien über das Amulett, das sie seit dem Tag als Junn es ihr übergab, getragen hatte, eingeschlafen war. Schnell nahm sie eine Feder und Papier zur Hand und verfasste eine Antwort.

„Liebste SandyLee,

ich danke dir von Herzen das du mich so rasch über deine gesunde Ankunft in Amazonien informiert hast und bedaure es zu tiefst das ich dich nicht begleiten konnte. Ich hoffe ebenfalls auf ein baldiges Wiedersehen. Wegen des Landweges werde ich den Zauberer bitten seinen Zauber so abzuändern das nun auch Amazonen durch den Wald der Elfen gehen können ohne in die Irre geführt zu werden. So bleibt deinen Hoheiten und deinem Volk der Weg über die See eher erspart. Das wir Junn beschützen müssen, ist mir klar, doch das auch der Drache diesen Schutz benötigt wusste ich nicht, doch ich werde mich bemühen so gut ich kann. Das verspreche ich dir. Ich glaube nicht, dass ich damals, als du im Elfenwald herumirrtest, gespürt hätte das etwas nicht stimmt, wenn wir nicht in irgendeiner Art verbunden wären.

Ich wünsche dir das Beste.

Deine Elfenfreundin Candia“

Nachdem sie den Brief beendet hatte, band sie ihn einer Taube an das Bein und sandte sie Richtung Amazonien.

Nun da dies getan war, wandte sich Candia wieder dem seltsamen Traum oder besser gesagt ihrer Vision zu, die sie scheinbar wieder hatte. Dieses Mal waren die Bilder die sie empfing klarer und geordneter. Sie sah die Waffe der Amazonen, den in einem Stab eingefassten Bernstein, der vom Licht im Elfenland getroffen hell erleuchtete und einen Strahl aus goldenem Licht auf das Amulett richtete. Dieses erstrahlte zuerst und warf dann einen ebenso strahlenden Lichtschweif von sich. Rasch eilte die zierliche Elfe zum Zauberer der Elfen, um ihm zu berichten was sie gesehen hatte und auch zu fragen wie es kommt, dass sie plötzlich solche Visionen hatte. Aber auch Jan konnte ihr bei dieser Frage nicht weiterhelfen. Etwas enttäuscht über diese karge Ausbeute an Antworten, zog sich die Elfe zurück und versucht nicht weiter darüber nachzudenken.

Fatae Shan lief aufmerksam sich immer wieder umschauend, durch die Wiesen und Wälder Amazoniens. In diesem Moment wollte sie allein sein, ihren Gedanken nachgehen, sich vielleicht über einiges klar werden. Als sie am Strand ankam, setzte sie sich in den Sand und schaute aufs Meer. “Alles könnte so friedlich sein, was will er von uns, warum tut er uns das an?“ Sie ballte ihre Fäuste so sehr zusammen, dass sie den Schmerz der Fingernägel in ihrer Handfläche kaum noch aushalten konnte. Langsam öffnet sie ihre Fäuste wieder und schaut die Abdrücke in ihrer Handfläche an. „Warum geht das mit ihm nicht auch? Warum kann man ihn nicht einfach zerquetschen, zermahlen…?“

Fatae saß lange in Gedanken versunken am Strand und überlegte ob sie irgendwas übersehen hatte, was ihr und ihren Schwestern in diesem Kampf helfen könnte. Aber sie fand nichts. Sie kam sich so hilflos vor, nichts, keine Waffe konnte gegen ihn was ausrichten. „Das sind nicht nur einfache Schatten“ Fatae spürte, dass mit diesen Wesen noch mehr war, als sie alle vermuteten. Wussten die Hoheiten schon etwas und sagte es ihnen nicht? Atrista hatte seit ein paar Tagen nun schon die Kriegerfarbe schwarz getragen, die Königin hat sich mit diesem komischen Wesen vereinigt, sie sagte, dass sie Neuigkeiten haben, die sie beizeiten uns allen mitteilen will. Was waren diese Neuigkeiten? Fatae war sehr beunruhigt als sie von dieser Vereinigung erfahren hatte.
„Meine Königin wie sehr muss eine Kriegerin versagt haben, das die eigene Königin sich ohne Schutz und ohne Wissen einer Kriegerin in diese Gefahr begeben hat. Hoheit es tut mir leid, das wir nicht mehr ausrichten konnten, dass wir euch zu so einer Tat getrieben haben!“ Sie kommt sich so hilflos vor, sie eine Kriegerin, sich schon in einigen Kämpfen bewiesen, kann gegen dieses Geschöpf nichts ausrichten, das macht sie verrückt.

Fatae schaute noch immer auf das Meer hinaus, Tränen flossen ihr die Wange runter als sie an Ihre tote Schwester und an Junn dachte: „Trotz allem was geschehen ist und noch geschehen wird, niemals wird diese Bestie oder was auch immer er ist, Junn bekommen.“ Mit diesen Worten zu sich selbst stand Fatae auf und drehte dem Meer den Rücken zu. Sie ging in die Arena, dort traf sie auf ihre Freundin Lilith und sie bat sie um einen Trainingskampf. Fatae musste unbedingt auf andere Gedanken kommen. Es tat ihr gut mit dem Bogen gegen Lilith zu kämpfen und dabei sich für diesen Augenblick alle Sorgen aus dem Körper zu rennen.

Nach einigen Stunden intensiven Trainings ging es Fatae ein bisschen besser. Lilith sah ihr die Besorgnis an, auch sie machte sich Sorgen. Doch beide sprachen nicht darüber, sie waren in diesem Augenblick zu ausgelaugt um über all das nachzudenken.

Kamarias Enthüllungen (Dezember 2007)

Amelie Cimino, die Königin der Amazonen und geistige Mittlerin zwischen Pallas und den Amazonen war sich klar darüber, dass die angebotene Hilfe von Kamaria Boucher der Schwester, nach eigenen Angaben von ihr, von Drough Thor, dem Schattenmann angenommen werden muss um die Gefahr weiter einzudämmen.

Sie musste in irgendeiner Weise Kontakt aufnehmen. Aber wie? Es wäre ein Versuch wert es auf der Geistebene zu versuchen. Amelie ging nachdenklich zu dem kleinen Tempel am Friedhof, da sie glaubte dass sich dieses Gebäude für ihr Vorhaben eigenen würde. Das Gebäude war abgeschieden und das mystische Zentrum der Toten. Weit und breit war keine Amazone zu sehen und zu spüren, also die beste Zeit es zu versuchen. Angekommen am Tempel nahm sie ihr Cape ab, zog ihre Fußbekleidung aus und legte sich auf den Altar.

Sie schloss die Augen und suchte in ihren Erinnerungen nach dem Bild der Schattenfrau, Kamaria Boucher. Langsam wurde die Welt um sie herum unwirklich und entrückt und eine andere Welt bildete sich vor ihrem inneren Auge. Eine Welt ohne greifbare Elemente, verschwommen, unbekannt. Dann plötzlich wurde es hell, wie ein Blitz und Schauer durchfuhr es Amelie und sie meinte auch ein Donner zu hören und aus dem hellen Licht trat etwas Dunkles hervor. War es Kamaria? Das dunkele Etwas, unförmig, wallend wurde immer größer und kam immer näher auf Amelie zu. In dem dunklen Etwas glühten zwei rote Punkte, ja, es könnte Kamaria sein.

Amelie musste ihre Augen öffnen und sah, eine dunkele Gestalt neben dem Altar knien. Ja, es war Kamarie, das spürte sie, ohne dass bisher ein Wort gesprochen wurde. Kamaria hob den Kopf und sah, wenn das leuchten der roten Punkte in der Kapuze als sehen bezeichnen kann, Amelie an. Eine Stimme ertönte aus dem Umhang:“ Du hast mich gerufen, Amelie Cimino, Königin der Amazonen und Hohe Priesterin, was kann so wichtig sein, das du diese deine Kräfte einsetzt?“ Die roten Punkte, Augen, blicken intensiv auf Amelie. „Ja“, antwortete Amelie, „ich habe dich gerufen um von dir zu erfahren, so wie du es angeboten hattest, uns zu helfen, bei der eventuellen Vernichtung von Drough Thor, denn er hat bereits schon eine Amazone getötet und eine andere schwer verletzt, unsere bisherigen Bemühungen ihn zu vernichten sind fehlgeschlagen“. Kamaria steht auf und beugt sich über Amelie. „Nun, zuvor muss ich dir etwas erzählen, was wichtig ist für unser gemeinsames handeln, dazu muss ich aber mit dir direkten körperlichen Kontakt aufnehmen, sodass wir eine Einheit bilden“, sprachst und legte sich neben Amelie auf den Altar…

Amelie war überrascht, keine Kriegerin in der Nähe, die ihr Schutz geben könnte, aber sie war sich sicher das dass der einzige Weg ist etwas zu erfahren und irgendwie strahlte Kamaria Vertrauen aus. „Du musst die Augen schließen“, flüsterte Kamaria ihr ins Ohr, „und du musst dich auf meine Nähe konzentrieren, wir müssen eins werden, nur so kann ich dir alles erzählen.“ Amelie schloss die Augen und konzentrierte sich auf das Wesen neben sich. Die Welt um sie herum verblasste und eine Leere umgab sie…

Atrista konnte den gefährlichen Alleingang ihrer Freundin der Königin überhaupt nicht gutheißen und schüttelte bei dem Gedanken an das was hätte alles passieren können den Kopf. Bei dem Kampf gegen die Schatten war jedes Mittel legitim und so dachte sie: „wer nichts wagt der gewinnt auch nichts“
Die Richterin legte ihr gewohnt weißes Gewand ab, legte den Brustharnisch an und griff nach den schwarzen Roben. Schwarz, die Farbe des Krieges. Die Erkenntnisse aus den Papieren die Sandy mitgebracht waren viel versprechend und Atrista war sich sicher, dass sie das Puzzle jetzt gelöst hatte. Jetzt musste man nur noch diesen Mistkerl dahin locken wo man sie auch bekämpfen konnte – ins Elfenland. Im Schutz der Nacht wartete Atrista geduldig im Sanctum bis die Königin sich von ihrer Geistreise mit Kamaria erholt hatte um von ihr mehr zu erfahren.

Der neue Tag brachte nichts Gutes. Atrista lauschte gespannt dem Bericht der Kriegerin des Feuers. Der Schatten hatte plötzlich und aus dem Hinterhalt wieder zugeschlagen. Sein Angriff war brutal. Mit Feuer bewarf er die Amazonen und fügte ihnen schwere Brandwunden zu. Besonders brutal schien er gegenüber Alika, der neuen Unfreien gewesen zu ein. Er jagte sie über den ganzen Platz und erst als sich einige Krieger mutig dazwischen stellten, konnte sie sich verstecken. Cindy wiederholte immer wieder die Worte die er bei diesem Angriff gebraucht hatte. Die Amazonen sollten sich mit ihm gegen die Elfen verbinden, sie wären sein auserwähltes Volk. Atrista konnte sich nicht erklären warum der Schatten die Allianz mir den Amazonen wollte. Lediglich die Tatsache, dass die Elfen einen Drachen zu ihrem Schutz auf ihrem Land hatten und die Amazonen bekannte Drachentöter waren, könnte eine Erklärung sein. Atrista rief alle Amazonen zu einer Versammlung am Feuerplatz.

Die Amazonen tuschelten aufgeregt untereinander als sie die Arbitra in den Kriegsfarben schwarz und mit gepanzerter Brust auf sich zukommen sahen. Die Richterin kam ohne Umschweife auf den heutigen Angriff zu sprechen und erklärte kurzerhand, dass Amazonien ab sofort im Kriegszustand sei. Der Kampf mit den Schatten trat jetzt in die Endphase. Die Späher erhielten den Auftrag gemeinsam mit den Elfen einen Plan auszutüfteln und dann die Krieger zu informieren. Die Krieger hatten jetzt das Land zu kontrollieren und alle Amazonen haben sich von jetzt an die Anweisungen der Krieger zu halten. Atrista beendete die Versammlung mit den Worten: „Zum Wohle Pallas, zum Ruhme Amazoniens“.

Aus der Helligkeit formierte sich vor Amelies geistigem Augelangsam ein Bild. Sie befanden sich inmitten von lauter Schattenwesen, irgendwie auf einer Wolke, keine Landschaft, alles schien zu schweben. Ein Murmeln war zu hören, und eine einzelne Stimme fragte sehr bestimmt: “Was macht dieses Erdwesen hier zwischen uns?“ Eine andere Stimme antwortete:“ Es ist die Erdenfrau, diese Amazone, die Königin der Amazonen, die, der wir helfen wollten etwas gegen unseren gestörten und Abtrünnigen Drough Thor zu unternehmen!“, „Also gut“, kam die Antwort, „dann lasst uns beginnen“. Die Schattenwesen kamen auf sie zu, es müssten Hunderte sein, oder Tausende, sie wusste es nicht und bekam Angst, die Wesen kamen immer näher und umkreisten sie—- es wurde dunkel. Bilder bildeten sich und sie erkannte dass ihr eine Geschichte erzählt wurde. Zwei Bilder gleichzeitig, auf dem einen Bild erkannte sie ein Elfenvolk, wie es friedlich in ihrem Land lebte, der Arbeit und dem Vergnügen nachging, das andere Bild zeigte das Amazonenvolk, auch hier friedliches Leben, so als wenn es dem Volk gut geht.

Dann plötzlich verdunkelten sich die Himmel beider Völker und große fliegende Ungeheuer die Feuer spukten tauchten auf, es waren die Drachen. Die Drachen zerstörten und töteten alles was sich ihnen in den Weg stellte, sowohl bei dem Volk der Elfen als auch bei dem Volk der Amazonen. Die Bilder wurden größer, gingen näher an die Geschehnisse heran, und jetzt konnte sie deutlich ausmachen, dass die getöteten Elfen und Amazonen aufstiegen – aber, was sah sie – sie stiegen auf als schwarze Wesen!

Amelie erwachte und Kamaria schaute sie fragend an: „Du hast es verstanden, was ich dir gezeigt habe?“ Sie nickte nur, denn sie war noch immer so überrascht das sie kein Ton herausbekam. Kamaria erhob sich und setzte sich zu der Hoheit. „Du wirst erkannt haben, dass wir aus reiner Energie bestehen, d.h. wir sind körperlos, können aber jede Art und Form annehmen und das was ich dir jetzt sage ist sehr wichtig, da wir uns damit äußerst verwundbar machen. Wir sind nur zu besiegen durch Licht, durch ein ganz bestimmtes Licht. Das Wasser lähmt uns nur, es nimmt uns kurzzeitig die Energie, aber das Licht kann uns töten, wenn wir von Töten überhaupt reden können, es ist kein Töten, sondern ein auflösen. Das was ihr in den Büchern und über die Orakel erfahren habt, entspricht den Tatsachen. Eine kleine Hilfe von mir, der Stein, der Bernstein, ist die richtige Waffe, die Munition dazu ist ein Amulett. Dieses Amulett ist im Besitz einer Elfe und muss in Verbindung mit dem Bernstein gebracht werden. Und es ist richtig dass die Führung des Bernsteins nur von einer reinen Elfe oder Amazone getätigt werden kann. Rein heißt, die Person darf noch nie mit Blut in Verbindung gekommen sein.“

Kamaria stand auf und ging langsam aus dem Tempel, am Absatz drehte sie sich noch mal um: „Wenn du mich noch mal brauchst, dann nehme den Weg den du gegangen bist, es war der Richtige.“ Sie entschwand, löste sich ins Nichts auf. Amelie war noch vollkommen benommen, aber innerlich glücklich einen großen Schritt der Erkenntnis genommen zu haben. „So liebe Atrista, dass war das, was nötig war, es wird uns weiter helfen. Nur eins ist klar, wir müssen unseren Kampf allein auf Drough Thor konzentrieren, andere Schattenwesen dürfen dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.“ erzählte sie der Richterin.

Atrista hatte den Schilderungen der Königin gelauscht ohne sie zu unterbrechen. Als Amelie mit ihrem Bericht fertig war senkte Atrista den Kopf und verharrte minutenlang in völligem Schweigen. Dann drehte sie sich plötzlich um und ging in das Sanctum. Dort in einer Ecke hatte sie ein Kästchen aufbewahrt welches ihr einmal ein Händler geschenkt hatte. In der Kiste aus edlem Holz waren ein dutzend dick gerollter Blätter einer Pflanze aus einem fernen Land. Der Händler hatte ihr damals gezeigt wie man diese Rollen anzündet und dann den Rauch inhaliert. Nach mehreren Zügen stellte sich eine leichte Benommenheit ein, ein angenehmes Gefühl durchströmte den Körper.

Atrista nahm eine dieser Rollen aus der Kiste und nahm einen brennenden Span aus dem Lagerfeuer und entzündete die Blätter. Das Kistchen versteckte sie wieder in der hinteren Ecke. Atrista ging wieder auf die Königin zu, nahm einen tiefen Zug und bekam einen Hustenanfall. „Nun ja“, erwiderte sie den fragenden Blick der Freundin, „eine heimliche Leidenschaft von mir.“ Atrista nahm noch einen Zug und entließ genussvoll den Rauch durch die Nase. „Du siehst aus wie ein dampfender Drache“, Amelie konnte sich diese Bemerkung nicht verkneifen. Atrista musste ein Husten unterdrücken. „Phantastisch, grauenvoll und gefährlich“, flüsterte sie. Amelie verstand nicht so recht was sie damit meinte. „Was meinst du mit grauenvoll und gefährlich, etwa diese Dinger die du dir in den Mund steckst?“

„Nein“, Atrista sog noch einmal kräftig den Rauch ein und schaute dann versonnen auf die Glut, die sich am Ende der Rolle gebildet hatte. „Nein“, wiederholte sie, „deine Geschichte.“ Atrista schaute in die Augen der Königin. „Hast du eine Ahnung, was du da eben gesagt hast, ist dir die Bedeutung überhaupt bewusst oder bist du noch nicht ganz klar im Kopf?“ Amelie schaute die Richterin verständnislos an. Obwohl sie beide schon eine Ewigkeit zusammen waren hatte sie immer noch Schwierigkeiten dieser Frau bei ihren schnellen Analysen zu folgen. Atrista konnte blitzschnell eine Situation lesen und Entscheidungen treffen. Amelie betrachtete ihre Freundin. So wie das Mondlicht durch die Haare schien und die ganze Gestalt von hinten beleuchtete sah sie irgendwie aus wie ein Dämon. Atrista ganz in schwarz und mit offenen Haaren. Irgendwie erinnerte dieses Bild Amelie an das was sie soeben gesehen hatte. So sahen auch etliche der Schatten aus und Amelie musste unwillkürlich an Gute und Böse denken. Waren sie beide etwa die dialektische Einheit aller Wesen? Ohne das Böse konnte auch das Gute nicht existieren und umgekehrt, nur gemeinsam war es steuerbare Materie. Amelie verwarf diesen Gedanken schnell und schüttelte den Kopf. „Wir wissen jetzt worauf wir uns konzentrieren müssen und wir wissen, dass wir mit unseren Erkenntnissen richtig liegen.“

„Alles richtig“, entgegnete Atrista, „alles richtig, nur…“, Atrista machte eine bedeutungsvolle Pause, „du stellst damit unsere ganze Religion auf den Kopf… und… du bringst den Amazonenstaat in Gefahr.“ Als Atrista sah wie Amelie langsam begriff flüsterte sie so als hätte sie Angst jemand könnte sie belauschen: „Denk dir nur, alle Amazonen glauben seit Generationen daran nach ihrem Leben einmal an der Seite der Göttin Pallas zu sitzen und jetzt kommst du und erzählst mir, dass sie in ein Schattenreich eingehen?“ Atrista nahm die Königin bei den Schultern und schüttelte sie: „Davon darfst du niemanden erzählen, hörst du, niemanden“.

Nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: „Außer vielleicht… vielleicht der Priesterin Mascha, sie wird wissen wie man damit umgeht denn diese Erkenntnis kann auch den Priestern nicht verborgen geblieben sein und dem Orakel schon gar nicht. Mascha soll das Volk langsam darauf vorbereiten…“

SandyLee kehrt nach Hause zurück (Dezember 2007)

SandyLee lief am Feuer auf und ab, als Candia aufgeregt gerannt kam und rief „Sandy, Sandy, …..“ und völlig außer Atem den Brief der Königin übergab: „Hier, die Taube hat gerade die Nachricht für dich gebracht“. SandyLee rollte die Nachricht auf und las aufmerksam was dort geschrieben stand. SandyLee brachte die Fragen zusammen und versuchte aus ihren Aufzeichnungen die Antworten zu finden:

Drachenblut:
Die Elfen haben einen Drachen versteckt, aber sein Blut ist kalt, so wie die Beziehung zwischen den Elfen und Amazonen in den letzten 100 Wintern, er braucht frisches Drachenblut, verabreicht durch eine Amazone, um sein Feuer zu erwärmen. Das Feuer kann den Schatten aus unserer Welt verbannen und ihn wieder ins Reich des Feuers schicken. Dies geht aber erst wenn der Schatten besiegt wurde. Der besiegte Schatten ist gefährlich, weil er immer noch eine neue Seele befallen kann. Daher darf sich ihm keiner nähern bis der Drache ihn mit seinem Feuer komplett vernichtet hat. Dies ist auch eine Prüfung für uns Amazonen, weil unsere Krieger alle Drachen als Feinde ansehen, während die Elfen einen Drachen in ihrem Reich beschützen.

Schwestern im Geist:
Die Amazonen und Elfen sind Schwestern, aber es gibt einige wenige die auch im Geiste verbunden sind. Junn ist so eine, aber es muss weitere Halbblüter geben, deren Geist jeweils mit dem anderen Volk verbunden ist. Wr müssen alle Amazonen und Elfen mit teilweise unbekannter Herkunft überprüfen. Deren Entdeckung ist aber eine Gefahr, weil der Schatten dieses Wissen evtl. nutzen kann.

Reinen Herzens:
Nur eine Amazone/Elfe die frei von Sünde ist kann den Schatten besiegen, Candia die kleine Zauberelfe ist so eine. Sie hat noch keine Kämpfe geführt, keinem was getan.

Ein neuer sehr wichtiger Hinweis ist:

„Im Elfenland das goldene Licht sich im Steine bricht und den Schatten erlischt“

Laut den Aufzeichnungen ist der Umgang mit dem Licht sehr gefährlich, weil der Schatten über die kleinste Sünde durch das Licht Zugang finden kann und den Geist beeinflussen kann. Das Licht würde dann eine mächtige Waffe die beide Völker auslöschen könnte.

Sehr geehrte Arbitra,

ich hoffe diese Puzzlestücke helfen dabei den Schatten zu besiegen. Ich schlage vor, dass Mai sobald wie möglich einen Trunk aus Drachenblut für den Elfen-Drachen vorbereitet und diesen durch eine Amazone zum Drachen bringen lässt, um zu testen ob damit sein Feuer wieder entfacht werden kann. Ich werde mich mit meinen umfangreichen Aufzeichnungen sobald wie möglich in Richtung Amazonien aufmachen.

Kala
SandyLee
Gefährtin der 7 Winde

SandyLee gab Candia den Brief, damit sie eine Taube losschicken kann. Candia nahm den Brief und rannte sofort los zu den Tauben, wo sie einer Taube den Brief anband und die Taube los schickte. SandyLee wanderte durch das Elfenland und traf dort auf Zenzi. Die beiden unterhielten sich über alle möglichen Sachen, als plötzlich Junn beim Feuer auftauchte. SandyLee freute sich ihre Schwester zu sehen. Die beiden unterhielten sich über ihre Genesung und die Zukunft. Danach erzählte SandyLee ihr von ihren Ermittlungen in der Bibliothek. Nachdem die beiden eine Weile gesprochen haben verabschiedet SandyLee sich bei Junn und Zenzi, sandte noch Dank und liebe Grüße an Candia und die Hoheit Annemarie. SandyLee machte sich auf den beschwerlichen Weg Richtung Amazonien und wählte den etwas längeren aber sicheren Seeweg, den sie selbst bei der vorletzten Reise entdeckt hatte.

Um sich etwas die Füße zu vertreten, ging Candia etwas spazieren, als sie die Nachricht erhielt,
dass SandyLee ohne sie Richtung Amazonien aufgebrochen ist, war sie sehr enttäuscht und traurig. Wie konnte SandyLee sich nur solch einer Gefahr aussetzten und ohne Begleitung die Reise antreten? Besonders unangenehm war es der kleinen Elfe weil sie es doch ihrer Königin versprochen hatte. Um nicht ganz im Ungewissen zu sein sendete die kleine Elfe eine Nachricht an ihre Kontaktfreundin Tarna in Amazonien, mit der Bitte so schnell wie möglich von der sicheren Ankunft SandyLee´s zu berichten, wenn es soweit war. Vorsichtig band sie den kleinen Zettel an das Bein einer der schnellsten Tauben die sie kannte. „Flieg meine Freundin und bring mir schnell die gute Nachricht von SandyLee´s ankommen zurück.“ sprach Candia sanft zu der weissen Taube und strich ihr ein letztes mal über ihr Haupt bevor sie das Tier, mit etwas Schwung, in den Himmel entlässt.

Noch etwas aufgewühlt schritt die Elfe nun wieder in Richtung Bibliothek. Sie hoffte endlich mehr Informationen über das Amulett zu erhalten, das sie von Junn zum Schutz erhalten hatte. Sie schritt in den Turm und suchte wieder das Buch das sie schon einmal suchte. Sie fand es auf dem Tisch. Es sah aus als ob schon jemand darin etwas gesucht und auch gefunden hatte. Auf der Seite die Aufgeschlagen war war ein Satz unterstrichen. „Wie seltsam, das war sehr unüblich bei den Elfen.“ Die Zauberlehrlingselfe studierte den Satz immer und immer wieder. Das Gefühl lies sie einfach nicht los das er etwas mit dem Schmuckstück zu tun hat das sie nun immer trägt. Candia rätselte noch eine ganze Weile, doch ohne besonderes Ergebnis. Müde wie sie war schlief sie in der Bibliothek ein.

Nach einer langen Reise über das Meer betrat SandyLee endlich wieder ihre Heimat. Dort angelangt, ging sie direkt zum Quartier der Späher, um dort eine Eule zu suchen, der sie eine Nachricht an Candia umband:

„Liebste Candia,
die Umstände machten es notwendig, dass ich sofort nach Amazonien aufgebrochen bin. Ich muss unbedingt die kompletten Aufzeichnungen zu unseren Hoheiten bringen. Die wichtigsten Informationen habe ich Eurer Königin gesendet. Ich hoffe wir werden uns bald gesund wieder sehen, damit du mit einen sicheren Landweg durch euer Reich zeigen kannst. Auf Dauer können wir nicht immer den wetterabhängigen Seeweg nehmen. Außerdem werden unsere Hoheiten immer ein wenig grün im Gesicht wenn es etwas windiger ist. Es ist sehr wichtig, dass ich nicht nur unsere Schwester Junn beschützt, sondern auch euren Drachen … darüber bin ich mir nach meinen Recherchen absolut sicher. Wenn du in Gefahr bist, werde ich dich finden, so wie du mich gefunden hast, ich bin mir sicher unsere Seelen sind verbunden.

Bis bald
SandyLee“

Atrista lief durch die Karawansei schaute sich dort um ob alles in Ordnung war. Sie ging nach hinten und prüfte die Vorratskammern. Alles war vorbildlich bestückt so wie es sein sollte. Wenn die Krieger von ihren Streifzügen durch Amazonien zurückkehrten und sich in der Wache ablösten sollten sie auch alles vorfinden um sich zu stärken. Atrista nahm ein Stück getrocknetes Fleisch vom Haken und kaute genüsslich. Gerade war sie von einem Rundgang durch einen Teil des Landes zurück. Die Schamanen und Druiden hatten ihr gezeigt wie sie im Land überall magische Pilze verteilt hatten die sofort, wenn sich ihnen jemand näherte mit bösen Absichten und bösen Gedanken, einen süßlichen Duft im Land verteilten. Die Druiden hofften, so eine Art Frühwarnsystem zu besitzen, dass alle Amazonen die Ankunft des Schattens früher bemerkten und besser gesichert waren.

Atrista hatte die Order ausgegeben sich nicht mit dem Schatten anzulegen. Ein konventioneller Kampf mit dem Schatten konnte niemand gewinnen. Auch wenn vielen Amazonen die Order der Arbitra nicht gefallen wollte sich feige zurückzuziehen, siegte doch die Vernunft. Die Richterin war eine erfahrene Taktikerin und die Amazonen vertrauten ihr. Sie hatten Vertrauen in diese uralte Amazone die niemals zu altern schien und als auch die Königin in einer leidenschaftlichen Rede an das Volk um Vertrauen bat und den ehrfürchtig lauschenden Amazonen erklärte, dass die Tage des Schattens so gut wie gezählt waren und sie sich auf den Endkampf vorbereiten sollten waren sie endgültig überzeugt.

Die Königin und die Arbitra hatten sich bei dieser Rede an den Händen gefasst und gemeinsam die Hände in den Himmel gestreckt und zum Schluss der Rede unter dem Trommelschlag der Schamanen dem Volk zugerufen: „Amazonen, der Sieg wird unser sein. Zum Wohle des Volkes, zum Ruhme Pallas!“ Die Gefühle der Amazonen waren sehr gemischt. Die Jüngeren unter ihnen waren ergriffen und im Geiste sofort kampfbereit. Bei den Älteren stellte sich ein Unbehagen ein. Sie konnten diese Vorzeichen besser deuten. Immer wenn die Hoheiten das Volk gemeinsam auf einen Kampf einschworen und solche Reden hielten war ein Krieg nicht mehr zu vermeiden. Krieg bedeutete immer Abschied zu nehmen von lieb gewonnen Schwestern, bedeutete Blut, Tod und verkrüppelte Körper.

„Hoheit? Hoheit alles in Ordnung?“

Atrista wurde aus ihren Gedanken gerissen und drehte sich um. Sie lächelte Jadzia ihre Leibwache, die die ganze Zeit hinter ihr gestanden hatte, an: „Ja, sicher Schwester, alles in Ordnung. Lass uns gehen, ich habe noch zu arbeiten.“

Als Atrista die Säulen zum Sanctum durchschreiten wollte, ergriff Jadzia sie von hinten zog sie zurück und stellte sich vor die Arbitra. Sie waren nicht alleine! Im Sanctum schien sich jemand aufzuhalten. Schemenhaft zeichnete sich eine Gestalt durch das immergrüne Efeu ab welches üppig von den Balken am Sanctum herunterhing. Jadzia zog ihr Schwert und schritt mutig vorwärts während Atrista am Eingang stehen blieb. Mit leichtem Unbehagen beobachtete Atrista wie Jadzia das Efeu teilte und in das Sanctum eindrang. Ein freudiger Aufschrei lies Atrista sich entspannen. „Es ist Sandy die Späherin! Hoheit, Sandy ist wieder da!“ Atrista eilte ins Sanctum und nachdem Jadzia und Sandy sich aus ihrer Umarmung gelöst hatten eilte auch Atrista auf die Späherin zu und nahm sie freudig in die Arme.

„Gottseidank“, sprudelte es aus Sandy heraus, „ich wollte gerade gehen und mich schlafen legen, die Reise war anstrengend. Aber ich wollte euch noch unbedingt meine Aufzeichnungen übergeben. Ich hoffe sie helfen und wir können diese Plage endlich erledigen, Ich habe es nicht mehr in der Fremde ausgehalten. Die Elfen sind unsere Freunde. Ich…“

„Halt, halt, beruhige dich“, Atrista unterbrach die Späherin, „alles ist in Ordnung, wir haben mit deiner Hilfe beinahe alle Rätsel gelöst und sind jetzt sehr zuversichtlich.“ Atrista nahm Sandy ein Bündel Papiere aus der Hand legte sie auf den Tisch. Als sie sah wie die Späherin vor Erregung zu zittern anfing nahm sie Sandy wieder in die Arme, wischte mit einer Hand zärtlich eine Träne von ihren Wangen und flüsterte ihr ins Ohr: „Schlafe erst einmal, glaube mir, es ist alles in Ordnung. Ich brauche dich ausgeruht und dann werden wir gemeinsam alles noch einmal durchgehen und prüfen ob wir auch nichts übersehen haben.“

Atrista drehte Sandy um und drückte sie in die Arme von Jadzia, „begleite sie und sorge dafür, dass sie gut einschlafen kann.“ Atrista schaute den Beiden nach, setzte sich an den Tisch und betrachtete das Bündel Papiere.

Das Geheimnis des Lichtes (Dezember 2007)

Etwas enttäuscht, dass sie die Königin nicht gefunden hatte, machte sich Candia auf in den Bibliotheksturm um selbst nachzuschlagen, was den nun diese seltsame Vision zu bedeuten hätte. Auf dem Weg zur Bibliothek begegnete sie SandyLee und erhielt von ihr einen Brief mit der Bitte diesen so schnell wie möglich an die Amazonen zu senden. Sofort rief die zierliche Elfe eine Taube zu sich und band die Nachricht an das Bein des sanften Wesens. „Flieg so schnell du kannst und überbringe die Botschaft unseren Freunden“ flüsterte die Elfe sanft in das Ohr des Tieres und ließ sie fliegen.

Raschen Schrittes folgte Candia SandyLee zur Bibliothek, dort angekommen, stürzte sich die Zauberlehrlingselfe sofort auf die Bücher der Ahnen. „Irgendwo habe ich doch bei meinen Magiestudien schon mal etwas gelesen. Wo war das nur noch mal…?“ fragte sich die beunruhigte Elfe. Suchend wanderte sie die Bücherregale ab und blieb vor einem der Regale stehen und nahm sich ein Buch.

Doch plötzlich: Eine seltsame Ahnung zog sie Richtung Höhlen, in der Junn gepflegt wurde. Die Elfe ließ das eben genommene Buch augenblicklich fallen und eilte zu ihrer Freundin. Erschrocken darüber, was sie sah, rannte sie zu der im Bett liegenden und schlafenden, Amazone. „Was ist nur mit ihr los, weshalb ist sie nur so unruhig in ihrem Schlaf?“, dachte sich die Zauberlehrlingselfe und beobachtete wie blass und aufgewühlt das Sorgenkind sich in ihrem Schlaf bewegte. Jeder Gesichtszug, jede Regung wirkte besorgniserregend. Scheinbar quälte Junn etwas in ihren Träumen, nur was konnte es sein? Immer öfter schien es, dass Junn der Realität entglitt. Candia überlegte fieberhaft, ob sie ihre Freundin aufwecken und damit aus ihrem Traum reissen sollte. Doch was würde dann geschehen? Würde sie womöglich zwischen der Realen und der Welt der Träume hängen bleiben.

Die Gefahr war zu groß. Die kleine Elfe entschied sich, neben Junn zu wachen. Sanft berührte das sanfte Wesen – die bleiche Haut ihrer, nun doch schon sehr vertrauten Freundin. Sie hoffte dadurch der Unruhe ein Ende zu machen und der Amazone auch einen Weg in das echte Leben zeigen zu können. SandyLee hob ein Buch vom Boden der Bibliothek auf und wunderte sich, wer ein Buch so achtlos auf den Boden wirft. Sie blätterte in dem Buch und liest dort Informationen zum Schatten und zum Licht.

„Im Elfenland das goldene Licht sich im Steine bricht und den Schatten erlischt“

Dieser Satz wurde von jemanden unterstrichen. SandyLee dachte, welch eine Respektlosigkeit dem Schreiber des Buches gegenüber. Die Information musste also sehr wichtig sein. SandyLee ging vor die Bibliothek und notierte sich diesen und ein paar weitere Hinweise in ihr Büchlein.

Atrista räkelte sich unter den Fellen und hatte absolut keine Lust aufzustehen. In den letzten Tagen waren die Hoheiten der Amazonen kaum dazu gekommen einmal durchzuschlafen. Eine Besprechung hatte die andere gejagt, ständig waren neue Meldungen herein gekommen. Ganz schlimm war die Ungewissheit wie sich das Scheusal verhalten würde. Nach seinem Desaster war er nur noch einmal kurz aufgetaucht. War durch eine Amazonensiedlung gerannt so als wolle er die Lage peilen und dann war er plötzlich verschwunden. Seither herrschte Ruhe, es erfolgte kein weiterer Angriff. Niemand unter den Amazonen glaubte daran, dass er aufgegeben hätte. Die Nerven waren bei jeder Einzelnen bis zum zerreißen gespannt. Das ständige Warten, die andauernde Wachsamkeit zeigte Spuren. Bei den Amazonen wollte sich einfach nicht die sonst übliche Heiterkeit einstellen.

Atrista drehte sich auf den Rücken, sie kannte die Stimmung unter den Amazonen. Dieses Unbehagen machte sich auch bei ihr breit. „Zu viele Rätsel müssen noch gelöst werden“, murmelte sie und mit Galgenhumor bemerkte sie, wie auch bei ihr die gewohnte Selbstsicherheit schwand. „Ein einziger Fehler“, sinnierte sie vor sich hin, „ein Fehler und die Elfen und Amazonen sind Geschichte. Was hilft der Königin und mir die geschenkte Jugend, das Geschenk der Unsterblichkeit.“ Atrista schaute sich um. Das Bett der Königin war leer und auch das Lager von Jasemin der treuen Dienerin im Sanctum sah unbenutzt aus. Dann fiel ihr Blick auf den hölzernen Stab mit dem Bernstein. Amelie hatte den Stab mitten im Sanctum in den Boden gerammt so als wollte sie sagen: „da bleibst du bis wir wissen wie wir dich verwenden können“
Atrista betrachtete den fein geschliffenen Bernstein, ihre Augen folgten dem Sonnenstrahl der durch das Prisma hindurch abgelenkt sich in der hinteren Ecke des Sanctums verlor. Immer wieder wanderten ihre Augen vom Bernstein dem Lichtstrahl entlang in die Ecke. „Wie kannst du uns helfen?“ sprach sie zu sich selbst und erfreute sich an den reflektierenden Farben die scheinbar im Stein gefangen waren. Je nachdem wie sie den Kopf bewegte drehten sich die Farben mit so als wollten sie ein Spiel mit Atrista treiben. Minutenlang spielte Atrista mit den Farben indem sie immer wieder andere Blickwinkel ausprobierte und ihren Kopf mal in die Richtung und mal in die andere drehte.

Plötzlich traf sie die Erkenntnis! Atrista biss sich auf die Lippen und ehrfürchtig wiederholte sie was das Orakel ihr gesagt hatte. „Das Spektrum der Farben, gebrochen im Licht des Blutes der Bäume vernichtet den Schatten.“

Atrista wagte kaum zu atmen, schob vorsichtig die Felle beiseite und näherte sich dem Stab. Vorsichtig umrundete sie ihn und immer wenn sie zwischen der Sonne und dem Bernstein stand war das Leuchten unterbrochen und kehrte wieder wenn die Sonne ungehindert auf den Stein traf. Atrista spürte nicht die Kühle des Morgens, beachtete nicht die Gänsehaut die sich bei ihr bildete. Vorsichtig so als könne sie den Stab und den Stein zerstören umklammerte sie ihn und zog ihn sanft aus dem Boden. Atrista dreht sich um hielt den Stab so dass das Sonnenlicht genau auf den Stein traf und beobachtete wie der Lichtstrahl im Sanctum herum tanzte. Wenn sie den Stab vorsichtig drehte wanderte der Lichtstrahl mit. Atrista hielt eine Hand in den Strahl und spürte wie die Stelle wo das Licht auftraf immer wärmer wurde bis sie erschrocken die Hand zurückzog. Es hatte wehgetan. „Ja“, rief sie aus und ballte eine Faust, „Ja, Ja, Ja“, wie ein kleines Kind hüpfte sie herum und dann rammte sie den Stab wieder in den Boden. „Das muss ich Amelie zeigen“, kullerte es aus ihr heraus und dann verschwendete sie sogar einen Gedanken an den Schatten. „Merkst du Scheusal wie sich die Schlinge um deinen Hals immer enger zuzieht, du hast dich mit den Falschen angelegt“, dachte sie und spürte erst jetzt wie die Kälte ihr die Beine hoch kroch.

Atrista nahm den Pelzumhang den die Krieger ihr aus ihren Jagdtrophäen genäht hatten, warf ihn sich über die Schulter und verließ das Sanctum. Ihr Gang war leicht und beschwingt so als hätte sie eine Last verloren. Geschickt wich sie mit ihren nackten Füssen den spitzen Steinen aus und suchte das Moos auf ihrem Weg. Sie war auf dem Weg zu den warmen Quellen in der Grotte oberhalb des Wasserfalls. Als sie am Kartenhaus der Späher vorbeikam sah sie eine Taube am Eingang auf einer Stange sitzen. Die Taube hatte ein Papier an den Füssen angebunden. Atrista schaute sich um und schaute auch in das Kartenhaus. Leer, alle ausgeflogen. Die Späher waren alle unterwegs. „Eine Taube mit einer Nachricht kann nur von den Elfen kommen, die Späher benutzen Eulen, dachte sie und näherte sich der Taube. Das Tier trappelte unruhig auf der Stange hin und her als Atrista sich näherte. Atrista sprach beruhigend auf das Tier ein und fingerte nach dem Zettel. „Eine Nachricht von Sandy“, murmelte sie als sie das Papier aufrollte. Atrista las aufmerksam was Sandy in die Heimat geschickt hatte. Ihre Miene erhellte sich und sie schickte im Geiste einen dankbaren Gruß an die treue Späherin.

„Der Kreis schließt sich“, dachte sie, „Der Streit um die Drachen haben die Amazonen und die Elfen für kurze Zeit zu Gegnern gemacht. Im Elfenland begann das Unheil. Drachen haben Junns Dorf vernichtet und ihre Eltern getötet. Junn hat wohl nur überlebt, weil sie ein Halbblut ist und bei den Amazonen hat sie eine neue Heimat gefunden. Die bösen Mächte, die Drachen und Schatten hatten Junn hier gefunden und wollten sie töten. Jetzt ist Junn wieder bei den Elfen und wird immer noch von den Schatten gejagt. Die Amazonen haben sich mit den Elfen ausgesöhnt und sich gegen diesen Gegner verbündet.“

Die Gedanken in Atristas Kopf überschlugen sich. Sie war sich jetzt vollkommen sicher, dass das Schicksal beider Völker dort entschieden wird wo es angefangen hatte – im Elfenland. Atrista erinnerte sich an das besondere Sonnenlicht welches das Land der Elfen in ein mystisches Licht tauchte. „Wir haben die gleichen Götter“, dachte sie, „warum sollten sie uns gerade jetzt wieder zusammenführen?“
Atrista sah jetzt alles viel klarer und war sich sicher, dass das Schicksal der Schatten im Elfenland besiegelt werden würde. Die Magie der Elfen und die Kampfkraft der Amazonen.

Atrista ging in das Kartenhaus und setzte sich an einen Tisch. Auf einen Zettel schrieb sie an die Späherin Sandy:

„Liebe Schwester, deine Erkenntnisse haben uns sehr viel geholfen und durch deine Bemühungen werden wir das Scheusal auch besiegen da bin ich mir sicher. Bevor du das Elfenland verlässt, um nach Hause zurückzukehren, versuche noch herauszufinden was es mit dem Drachenblut und dem Feuer auf sich hat. Was bedeutet Schwestern im Geist? Sind da die Amazonen und Elfen gemeint oder wer sonst? Kannst du Hinweise finden wie wir herausfinden wer so reinen Herzens ist dass sie dem Schatten den Todesstoß zufügen kann? Mir ist immer noch ein Rätsel was es mit den Drachen auf sich hat, sind sie mit uns oder sind sie ein weiterer Gegner.

Ich weiß, ich mute dir viel zu, aber diese letzten Ungewissheiten müssen noch beseitigt werden. Wir haben nur diese eine Chance.

Pallas mit dir und mögen die guten Winde dich begleiten

Atrista, Arbitra von Amazonien“

Als Atrista den Brief unterschrieben hatte rollte sie es fein und eng zusammen, ging zu der Taube und band ihr die Nachricht wieder an die Füße. „Flieg Täubchen flieg, flieg zu den Elfen und meiner Schwester“, flüsterte sie der Taube zu und streichelte der Taube über das Köpfchen. Mit lautem Flatterschlag erhob sich die Taube in die Lüfte und war bald darauf nicht mehr zu sehen. Atrista schaute dem Vogel nach solange sie konnte und machte sich wieder auf den Weg um endlich in die warmen Quellen zu kommen. Ein entspannendes Bad war jetzt gerade das was sie sich wünschte…

Schwere Träume (Dezember 2007)

Das rotglühende Auge schien Junn zu durchbohren. Erst bei näherem hinsehen konnte sie erkennen, das es eine Öffnung im Berg war durch die sie in das innere sehen konnte. Junn war wieder einmal auf einer Traumreise. In letzter Zeit passierte es immer häufiger, dass sie tagelang in einen tiefen Traumzustand fiel. Viele der Dinge die sie erblickte, konnte sie nicht zuordnen. Nebelhaft zogen Erinnerungen und Bilder an ihr vorbei. Manchmal so real, das sie glaubte nur die Hand ausstrecken zu müssen um sie zu berühren. Sehr oft aber weit entfernt und unscharf um etwas Genaues zu erkennen. Ständig umhüllte sie ein Flüstern von Stimmen die sie mal von ihr entfernten und dann wieder klarer zu hören waren. Einige male glaubte sie, aus dem Stimmengewirr ihre Mutter zu hören. Eine Bewegung in der Helligkeit der Höhlenöffnung lies sie wachsam werden. Sie schwebte näher und tauchte langsam in die Tiefe des Bergs hinab. Die Hitze die ihr entgegenschlug war gewaltig. Sie wollte sich wieder abwenden als sie abermals eine Bewegung wahrnahm.

Weit unten erblickte sie eine scheinbar leblose Gestalt auf einer Felsnadel, welche sich aus einem Strom von rotglühender Lava erhob. Ein Felsbogen verband eine dunkele Öffnung in der Felswand mit der Nadel. Ein leises durchdringendes Stöhnen drang in Junn´s Ohren. Ein Kaltes Lachen ertönte aus der dunklen Felsöffnung und in diesem Moment trat der Schatten heraus. Junn hielt den Atem an und fühlte wie sich Eiseskälte in ihrem ganzen Körper  ausbreitete. Wie hypnotisiert schwebte sie näher an die Szenerie die sich unter ihr abspielte.
Die Gestalt auf dem Felsblock war nicht zu erkennen. Sie war eingehüllt in einen Schwarzen Umhang der auch ihr Gesicht verbarg. Junn sah die schweren Ketten die sich um die Füße und Hände wanden. Der Schatten war nun bei ihr und sprach etwas, was Junn nicht verstand. Sie sah aber wie die Gestalt am Boden sich mühsam aufrichtete und stolz vor dem Schatten stand. Wieder sprach der Schatten und Junn sah, wie die Gestalt heftig den Kopf schüttelte. Sie sah wie der Schatten vor Wut laut aufbrüllte und mit einer Handbewegung die Gestalt vor sich schlug. Heftig wurde der Kopf der Gestalt zurückgeschleudert und die Kapuze rutsche von Ihrem Kopf. Junn´s Herz schien stillzustehen als sie in das Gesicht blickte. Ihre Sinne schwanden und die Bilder versanken im Nebel. Das letzte was sie wahrnahm war ein lauter durchdringender Schrei.

Ohne Erfolg durchsuchte die kleine Elfe Candia das Elfenland und musste enttäuscht feststellen das ihre Königin nicht anzutreffend war. Doch da sie unbedingt über das ihr Geschehene mit der Hoheit reden musste, hinterließ sie ihr eine Nachricht, damit diese, sobald sie sich von den Strapazen der letzten Tage erholt hatte, darüber informiert wurde was geschehen war. Etwas enttäuscht, dass sie die Königin nicht gefunden hatte, machte sich Candia auf in den Bibliotheksturm um selbst nachzuschlagen was den nun diese seltsame Vision zu bedeuten haben könnte. Auf dem Weg zur Bibliothek begegnet sie SandyLee und erhielt von ihr einen Brief mit der Bitte diesen so schnell wie möglich an die Amazonen zu senden. Sofort rief die zierliche Elfe eine Taube zu sich und band ihr die Nachricht an das Bein des sanften Wesens. „Flieg so schnell du kannst mein Freund und überbringe die Botschaft unseren Freunden“ flüstert die Elfe sanft in das Ohr des Tieres und ließ sie fliegen.

Raschen Schrittes folgte Candia SandyLee zur Bibliothek, dort angekommen stürzte sich die Zauberlehrlingselfe sofort auf die Bücher der Ahnen. „Irgendwo habe ich doch bei meinen Magiestudien schon mal etwas gelesen. „Wo war das nur noch mal…?“ fragte sich die beunruhigte Elfe. Suchend wandert sie die Bücherregale ab und blieb vor einem der Regale stehen und nahm sich ein Buch.

Doch plötzlich: Eine seltsame Ahnung zog sie Richtung Höhlen, in der Junn gepflegt wurde. Die Elfe ließ das eben genommene Buch augenblicklich fallen. Und eilte zu ihrer Freundin. Erschrocken darüber was sie sah, rannte sie zu der im Bett liegenden und schlafenden, Amazone. „Was ist nur mit ihr los, weshalb ist sie nur so unruhig in ihrem Schlaf“, dachte sich die Zauberlehrlingselfe und beobachtete wie blass und aufgewühlt das Sorgenkind sich in ihrem Schlaf bewegte. Jeder Gesichtszug, jede Regung wirkte besorgniserregend. Scheinbar quälte Junn etwas in ihren Träumen, nur was konnte es sein? Immer öfter schien es das Junn der Realität entglitt. Candia überlegte fieberhaft ob sie ihre Freundin aufwecken und damit aus ihrem Traum reißen sollte. Doch was würde dann geschehen? Würde sie womöglich zwischen der Realen und der Welt der Träume hängen bleiben.

Die Gefahr war zu groß. Also entschied die kleine Elfe, dass sie neben Junn wachen und diese von selbst wieder aufwacht. Sanft berührte das sanfte Wesen die bleiche Haut ihrer, nun doch schon sehr vertrauten Freundin. Sie hoffte dadurch der Unruhe ein Ende zu machen und der Amazone auch einen Weg in das echte Leben zeigen zu können. Erwartungsvoll schaute sie die Schlafende an.

Nachforschungen in alten Büchern (Dezember 2007)

SandyLee, die SpäherinSandyLee setzte sich im Elfenland ans Feuer, kramte ihre Notizen aus und beschloss einen kleinen Bericht für die Amazonen zu schreiben. Sie schrieb alles auf, was sie die letzten Tage herausgefunden hatte. Es waren viele zusammenhanglose Sätze, aber ihre Amazonen waren bestimmt auch nicht untätig und hatten vielleicht andere Rätsel, welche sie damit lösen könnten.

Also schrieb SandyLee auf das Papier:

Liebe Amazonen,

ich hoffe, ihr habt mich nicht vergessen, ich weile weiter bei den Elfen und studiere dort deren Aufzeichnungen und werde mich bald Richtung Amazonien aufmachen. Ein paar Ergebnisse meiner Studien möchte ich euch direkt mitteilen:

- „Wird der Schatten naß, wird sein Schatten blaß“

- „Erstarrt der Schatten zu Eis, macht dass Licht der Sonne ihn wieder heiss“

- „Schatten und Drachen, lassen die Welt krachen“

- „Tief in seinem Rachen, steckt die Macht des Drachen“

- „2 Völker einst entzweit, haben den Schatten befreit“

- „Die Kraft der 2 Völker vereint, die Existenz des Schatten verneint“

- „Das Sonnenlicht gebrochen im geweihten ….stein …….. Schatten …. geht ein.“

Leider kann ich diese Sätze nicht deuten, ich hoffe, ihr könnt damit etwas anfangen. Eine Abschrift dieses Briefes gebe ich an die Hoheit der Elfen.

Kala

SandyLee (Gefährtin der 7 Winde)

Anschließend packte SandyLee den Brief gut ein und schnappte sich eine der Tauben, welche die Elfen und Amazonen zur Postbeförderung regelmäßig austauschen, und schickte sie los.

Als die Amazonenhoheiten wieder in ihr Land zurückgekehrt waren, ging die kleine Elfe Candia in Gedanken versunken und grübelnd wandernd an der Grenze zum Elfenwald herum. Sie versucht immer noch dahinter zu kommen, wie sie das Amulett, das sie von Junn bekommen hatte, einsetzen konnte. Doch sie kam einfach nicht dahinter. Sie versucht es mit positiven Gedanken und auch mit ihrer ganzen Willenskraft, die sie aufbringen konnte, doch nichts geschah.

Sie überlegte ob es an ihr liegen könnte, dass das Schmuckstück nicht reagierte. War sie doch nicht die geeignete Trägern, dachte sie bei sich. Junn schien aber überzeugt zu sein, dass sie dazu bestimmt war, es zu tragen. Immer mehr zweifelte Candia daran, dass sie etwas gegen den Schatten ausrichten konnte. Doch im gleichen Augenblick strich sie diese Gedanken wieder aus ihrem Kopf. Sie erinnerte sich daran was Junn ihr sagte. Dieses dunkle Wesen bringt Verzweiflung wo auch immer er hinkam. Das wollte sie nicht mit sich geschehen lassen. Candia versprach sich die Hoffnung auf Frieden nicht zu verlieren, egal was noch auf sie zukommen wird.

Fest entschlossen ging das zierliche Elfengeschöpf zurück ins Dorf und setzte sich ans Feuer. Während sie die Flammen beobachtete, fiel sie langsam in Trance und es erschien ihr als würde etwas mit ihr in Kontakt treten wollen. Der einzige Gedanke den sie in diesem Hypnose-ähnlichen Zustand fassen, konnte war: „Wer ist das? Was will es? Ist es gut oder böse?“. Doch plötzlich sah sie Bilder, die ihr scheinbar nichts schlechtes wollten, jedoch enthielten sie offenbar eine wichtige Botschaft. Sie zeigten den Schatten und die Sonne im Elfenland. Auch das Amulett wurde ihr gezeigt, es leuchtete hell, als der Schatten von einem einzelnen Lichtstrahl in einer seltsamen Farbe, der durch die Wolken brach getroffen wurde. Das letzte Bild das die kleine Zauberlehrlingselfe noch sah bevor sie aus der Trance erwachte, war wie der Schatten kniete und scheinbar unerträgliche Schmerzen empfand. Kaum wieder ins Hier und Jetzt zurückgekehrt, versuchte sie die Königin der Elfen zu benachrichtigen und machte sich auf die Suche nach ihr.

SandyLee saß in der Elfen Bibliothek und las dort in den Büchern, als sie wieder auf den Satz traf „2 Völker einst entzweit, haben den Schatten befreit“. Diesmal fand SandyLee diesen Satz in einer Chronik, die das Verhältnis zwischen den Elfen und den Amazonen beschrieb. Offensichtlich hatte der Streit, um einen Drachen dazu geführt, dass sich zwischen den Amazonen und den Elfen ein Streit entwickelte, der beinahe beide Völker in einen Krieg verwickelt hatte. Die Elfen und Amazonen hatten sich zurückgezogen und wurden durch einen Ausbruch des Vulkans voneinander getrennt. Die bösen Energien gaben den Schattenwesen allerdings soviel Macht, dass sie in die Welt der Elfen und Amazonen eindringen konnten. Weiterhin stand dort, dass die Elfen einen eigenen Drachen haben, der ihnen wohl gesonnen ist. Daher glaubten die Elfen auch bei dem anderen Drachen an friedlichen Drachen und wollten eine friedliche Lösung, während die Amazonen sich der Gefahr bewusst waren und den Drachen bekämpfen wollten.

Offensichtlich trafen die Schatten auf den Drachen und konnten sich mit ihm vereinen, was den Vulkanausbruch verursachte. Aus ihren Untersuchungen und eigenen Aufzeichnungen wusste SandyLee, dass der Vulkanausbruch ca. 100 Winter entfernt lag. SandyLee dachte an den Drachen der Elfen. Was passiert, wenn die Schatten zu ihm gelangen? Offensichtlich können die Elfen und Amazonen nur gemeinsam im Frieden die Schatten bekämpfen. Wie weise doch die heutigen Anführer der beiden Völker sind, mit einem Krieg hätten sie den Schatten für weitere Generationen Kraft gegeben.

Weitere Hinweise oder Stichworte in den Texten, wenn gleichzeitig von den Schatten geschrieben wird:

Halbblut, Drachenblut und Feuer, Schwestern im Geist, Stein des Waldes und der Gewässer, nur wer rein im Herzen, kann dem Schatten das Leben entreißen.

Die Ereignisse der letzten Zeit, angefangen beim Untergang der alten Siedlung, der Umzug an den neuen Ort, das Auftreten des großen Drachens, die Schatten, die Elfen, ….. alles ließ sich in den Aufzeichnungen der Elfen sehr weit zurückverfolgen, wenn man einmal den Schlüssel für die verwendete Sprache gefunden hat. SandyLee fand sogar Hinweise auf die Ankunft der ersten Amazonen … sie legte die Bücher aber zurück, denn momentan waren Hinweise zu den Schatten wichtiger. Müde ging SandyLee wieder zu Bett.

Am neuen Morgen stand SandyLee auf und las ihre Notizen, sie beschloss diese in einer Notiz an die Hoheiten der beiden Völker zu senden und schrieb wie gestern säuberlich die gesammelten Informationen, Stichworte und Satzhülsen auf. Für die Amazonen schrieb sie einen zusätzlichen Brief:

Verehrte Hoheiten,

ich hoffe meinen Aufenthalt bei den Elfen bald beenden zu können, denn ich vermisse unsere Heimat und meine Schwestern sehr.

Für meine Recherchen brauche ich Informationen, welche Rätsel euch am meisten beschäftigen, wonach ich suchen soll.

Liebe Grüße

Eure Gefährtin der 7 Winde

SandyLee

SandyLee brachte die Briefe zur Hoheit der Elfen Annemarie und ließ eine Elfe den Brief an die Amazonen überbringen, mit der Bitte die Antwort der Hoheiten der Amazonen abzuwarten. Darauf hin begab SandyLee sich wieder in die Bibliothek.

Die Elfenkönigin war von dem Besuch der Amazonen begeistert, als sie deren Plan hörte, wie sie den Schatten besiegen wollten. Sie dachte zurück als der ersten Versuch gescheitert war – ein kalter Schauder lief ihr den Rücken runter. “ Es muss gelingen“ dachte sie “ nur an nichts andres denken, wir werden es mit den tapferen Amazonen schaffen.“ Ein gequältes Lächeln huschte über ihre Lippen. Sie fühlte sich müde und abgespannt, die Aufregungen der letzten Tage hatten ihr zugesetzt. Sie war noch jung und es war eine ganz große Last das Elfenvolk auf den Kampf gegen den Schatten vorzubereiten.“ Es muss der Letzte sein“ dachte sie “ nur soll niemand mehr zu Schaden kommen“.

Die Abend steckte schon seine Finger nach dem Elfenland aus, bald wird sein mächtiger schwarze Mantel sich übers Land legen und die Sterne werden zu leuchten beginnen in der Finsternis, “ wieder ein Tag vor rüber“ sagte Sie leise zu sich “ und wieder die Dunkelheit die dem Schatten helfen könnte, ich will nicht daran denken“ sagte sie fest entschlossen zu sich. der Mond war schon aufgegangen und zwei Fledermäuse zogen im Liebespiel durch die Abendluft. Nun wurde es auch für die Königin Zeit sich auszuruhen. Sie schwebte lautlos dem Palast entgegen.

Gemeinsame Pläne (Dezember 2007)

Bei einem Spaziergang durch die Wälder Amazoniens, ging Amelie noch einmal gedanklich die Vorkommnisse durch, die in letzter Zeit die Amazonen bewegten. Es war der Schatten, der Unruhe nach Amazonien und in das Land der Elfen gebraucht hatte und es würde nicht leicht sein ihn zu verjagen oder zu vernichten.

Plötzlich stand Tarna vor der Hoheit, und berichtete, dass die Elfen gerne mit den Hoheiten sprechen wollten. Zusammen mit Cindy reisten die Hoheiten ins Elfenland. Dort auf dem Dorfplatz waren schon einige Elfen versammelt und diskutierten wild durcheinander. So erhofften sich von den beiden Königinnen Klarheit zum Verhalten gegen die Schatten. Atrista erzählte von den letzten Versuchen einen Schatten unschädlich zu machen. Obwohl der Versuch ja misslang, war er trotzdem von Erfolg gekrönt, da die Erkenntnis über die Physiologie der Schatten von unschätzbaren Wert für weitere Taktiken war. Die Elfen waren begeistert und so wurde eine Strategie ausgearbeitet, die bestimmt zur Vernichtung der Schatten führen würde. Aber es war noch zu früh, um sich festzulegen, es kam jetzt noch mehr auf das gemeinsame Vorgehen der Elfen und Amazonen an.

Amelie und Atrista waren gerade vor dem Sanctum angekommen und klopfen sich den Reisestaub aus den Mänteln. Beide waren mit sich und dem Zweck der Reise zufrieden. Sie waren mit einer Abordnung der Krieger und der Späher zu einem geheimen Treffen mit den Elfen gewesen und haben wichtige Erkenntnisse mitgebracht. Während sich die Späher sofort in ihren Unterschlupf begaben um die neuesten Erkenntnisse zu ordnen gingen die Beiden voller Zuversicht ins Sanctum um das weitere Vorgehen zu besprechen. Amelie betrachtete aufmerksam den großen Bernstein, den die Späherin Sakara gefunden hatte und dann in einen kunstvoll geschnitzten Holzstab eingefasst hatte. „Das soll ihm den Garaus machen?“ sinnierte sie, „ich hoffe sehr, wir liegen mit unserem Plan nicht daneben“, und als Atrista nicht antwortete fügte sie hinzu, „ich habe ein ganz mulmiges Gefühl bei der Sache.“ Atrista drehte sich zu ihrer Freundin um. „Hmmm, wir verlieren Alles wenn wir die Zeichen, die wir bekommen, nicht richtig gedeutet haben. Uns fehlt noch das letzte Mosaiksteinchen! Wie, verdammt noch mal ist das mit dem Licht und den Farben zu verstehen?“

Atrista`s Augen begannen zu strahlen als sah wie Jasemin hereinkam und frisches Brot, Bratenfleisch und Getränke auf den Tisch stellte. „Sehr gut“, bedankte sie sich bei der Unfreien, „wenn ich Hunger habe kann ich nicht richtig denken.“ Dann machte sie sich über den Braten her. „Hoffentlich bekommen unsere Späher noch ein paar wichtige Hinweise aus den Abschriften der Elfenbücher, ich opfere ungern unsere Krieger und die braven Elfen in einem aussichtslosen Kampf“, murmelte sie mit vollem Mund und absolut nicht einer Hoheit angemessen und schaute dabei Amelie fragend an. Die Königin setzte sich zu Atrista an den Tisch und nahm ein schönes Stück Bratenfleisch in die Hand. „Ja, das hoffe ich auch …“

Der Schatten in seiner Festung (Dezember 2007)

Als Drough das Portal zu seiner Burg Dark Cloud öffnete, war das Land bereits in tiefe Dunkelheit getaucht. Kein Stern war am Himmel zu sehen und auch der Mond war durch eine riesige dunkle Wolke verfinstert. Er öffnete das Portal mit einem Fußtritt und bevor die Eingangshalle betrat, drehte er sich noch einmal um und schaute in die Nacht. Seine Augen verengten sich zu einem Schlitz und er spähte in die Ferne so als suche er irgendetwas. Nein, niemand war ihm gefolgt. Ein Schattenwesen kann man nicht verfolgen und selbst wenn, spätestens wenn der oder diejenige einen Fuß auf Dark Cloud setzte, war es vorbei. Hier gab es keine Lebensbedingungen für Humanoide, hier war der sichere Tod. Sein Blick wanderte Richtung Süden. Dort lag das Land Amazonien und bei dem Gedanken an die letzten Erlebnisse verzerrte sich sein Gesicht zu einer Fratze.

„Bastarde“, zischte er durch die zusammengepressten Lippen, „das war nicht umsonst.“ In Gedanken malte er sich schon aus wie er jeder Einzelnen einen qualvollen Tod bescheren würde. Dann wandte er seinen Blick Richtung Elfenland. „Mal sehen was ihr dann noch Wert seid wenn ich euch die Flügel ausgerissen habe“. Mit dem Stiefelabsatz warf er das Portal hinter sich zu und schritt wütend zur Feuerstelle. Der große Saal war leer. Lediglich vor dem Feuer stand ein riesiger überdimensionaler aus Elfenbein geschnitzter Thron. Nichts zierte die Wände, nur der nackte Stein war manchmal zu sehen wenn der Schein des Feuers über die Wände huschte. Drough blieb vor der Feuerstelle stehen und trat missmutig gegen die Holzscheite. Funken stoben umher und die Flamme loderte kurz etwas höher auf. Es war ein dämonischer Anblick. Diese große Gestalt im nachtschwarzen Umhang wirkte im Schein des Feuers nicht mehr irdisch und hätte in diesem Augenblick ein Mensch dieses Bild gesehen, er würde bei allen Heiligen schwören, dass er dem Leibhaftigen gegenüber gestanden hatte.

Drough bückte sich und griff mit den bloßen Händen in das Feuer und nahm ein brennendes Holzscheit in die Hand. Gedankenverloren beobachtete er wie die Flammen über seine Hand züngelten und sich gierig in den Ärmel seines Umhangs fraßen. Er schaute dem Flammenspiel eine Weile zu, dann …… ein Schnippen mit den Fingern der anderen Hand und die Flammen erloschen sofort. Nur noch Rauch quoll aus dem Stoff an seinem Arm. Zufrieden lies er sich in den Thron fallen. Seine Macht war ungebrochen. Er beherrschte alle Elemente bis auf das Eine. Es war ihm nicht vergönnt über das Wasser zu herrschen. Erst wenn er das Blut einer Halbelfe trank, erst dann sollte sich die Prophezeiung erfüllen, erst dann sollte es nichts mehr geben was ihn aufhalten konnte. Er war dann Herrscher über Leben und Tod und die Elemente waren seine Diener, Lakaien auf dem Weg zur Unsterblichkeit. „Ich Drough Thor bin der Mächtigste aller Schatten“, murmelte er, „und ich lasse mich jetzt nicht von ein paar Geflügelten und ein paar größenwahnsinnigen Weibern aufhalten.“ Drough schloss die Augen und in seinen Gedanken nahm ein grausamer Plan immer mehr Gestalt an.

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