Atrista lehnte sich im Sessel zurück und strahlte über das ganze Gesicht. Seit Tagen der Demütigung durch den Schatten hatten die Amazonen endlich einen Teilsieg errungen. Sie hatten die verwundbare Stelle des Schattens entdeckt. Vor ihr standen Cindy und Smaragd, tippelten aufgeregt mit den Füssen und berichteten der Richterin wie die Krieger den Fiesling zu Boden gebracht hatten. Tage vorher hatte Mai, die Schamanin Regina bei der Behandlung der Wunde von Jasemin entdeckt, dass eine abgebrochene Kralle ein ganzes Fass Wasser gefrieren ließ. Diese Erkenntnis wollte man sich zu Nutze machen und versuchen den Schatten mit Wasser zu übergießen. Die Krieger wussten nicht wie er darauf reagierte aber ein Versuch war es wert. Die Schamanin hatte dann noch in einem geheiligten Ritual den Spähern und den Kriegern einen Trank verabreicht der sie besser schützen sollte vor den telepathischen Fähigkeiten des Scheusals.
Cindy erklärte aufgeregt wie die Krieger dann einen Plan ausgearbeitet hatten und immer wenn sie den Schatten erwähnte knurrte Smaragd wie ein Wolf dazwischen. Die Schwierigkeit war ihn an eine Stelle zu locken wo er dem Wasser nicht mehr ausweichen konnte. Da die Krieger wussten, dass er empfänglich war für die Schönheit der Amazonen wählten sie eine Ecke in der Karawansei. Drei Kriegerinnen sollten sich allen Mut zusammen nehmen und bei seinem Auftauchen unbeirrt und nur spärlich bekleidet den wiegenden Tanz der Schlange tanzen um ihn so in die Nähe eines Baumes zu locken. In diesem Baum sollten sich dann zwei Amazonen verstecken und in einem günstigen Augenblick die Wasserschläuche über ihm entleeren. Atrista hörte schmunzelnd zu. Der Plan klang zwar nicht sehr kriegerisch und noch nie vorher hatten Amazonen mit Wasserschläuchen gekämpft, aber da sie von dem Erfolg wusste, war sie begeistert von dem Einfallsreichtum ihrer Krieger. Mit einer ungeduldigen Handbewegung forderte sie die Beiden auf doch endlich zu erzählen wie es sich zugetragen hatte.
Gestern dann am frühen Abend war es soweit. Cindy hatte wieder die Vorahnung. Ihr Herz begann schnell und schneller zu klopfen, das Blut schoss durch ihren Körper und eine Hitzewelle durchströmte sie. Der Schatten war im Land. Schnell wurde alles arrangiert. Zwei Amazonen kletterten schnell auf den Baum und die anderen reichten ihnen die Schläuche gefüllt mit Wasser hoch. Einige legten ihre Mäntel ab und begannen zu tanzen während sich der Rest der Krieger in den umliegenden Büschen versteckten immer bereit ihre mutigen Schwestern zu schützen.
Der Schatten kam und schien ziemlich verwirrt gewesen zu sein. Alles hatte er anscheinend erwartet aber nicht eine fröhliche, unbesorgte Tanzgruppe. Die Spannung, die in der Luft lag, konnte man fast mit den Händen greifen. Schon hatte man die Befürchtung der Schatten könnte das laute Pochen der Herzen der aufgeregten Amazonen hören und völlig anders reagieren als man es geplant hatte. Es war schon ein fürchterlicher, beängstigter Anblick. Die große, dunkle Gestalt von der eine tödliche Gefahr ausging dort stehen zu sehen. Die Amazonen spürten förmlich wie seine Blicke sie zu durchbohren schienen. Vorsichtig wie ein wildes Tier spähte er in alle Richtungen. Irgendetwas schien ihn zu warnen. Die Amazonen bekamen es mit der Angst zu tun, dieser Gegner war noch gefährlicher als sie annahmen. Wenn er jetzt unvermittelt zum Angriff überging, dann hatten die Tanzenden keine Chance. Sie wussten, dass das ihr sicherer Tod war. Die Amazonen hielten den Atem an.
Dann plötzlich hörten sie sein hässliches lautes Lachen und diese Stimme, die klang als käme sie aus der Hölle. Der Schatten kam und stellte sich mitten unter die Tanzenden. Vielleicht übertrieben es die Amazonen auch mit ihrer gespielten Harmlosigkeit denn plötzlich lief der Schatten wieder aus der Gruppe heraus. Er umrundete die die Gruppe und schien keinen Blick mehr zu haben für die Hüfteschwingenden Amazonen. Er beobachtete die Umgebung, umrundete den Baum und kam den in den Gebüschen versteckten Kriegerinnen gefährlich nahe. Dann lehnte er sich an den Baum und beobachtete die Szenerie. Die beiden Amazonen auf dem Baum zogen die Füße an, weil sie schon befürchteten mit den Zehenspitzen an seinen Kopf zu stoßen.

Cindy erkannte sofort, dass es keine bessere Gelegenheit geben konnte und gab den Beiden im Baum ein Zeichen. Die nahmen ihre Wasserschläuche und ergossen das ganze Wasser über die dunkle Gestalt. Der Schatten hatte ein Geräusch wahrgenommen und drehte sich um, schaute in die Äste und in dem Moment, wo er die Amazonen im Baum entdeckte, bekam er auch schon das ganze Wasser ins Gesicht. Einen Moment blieb er verdutzt stehen dann sprang er völlig durchnässt zurück. Mit ein paar Schritten war er bei der Tanzgruppe. Sein Griff ging ins Leere, die Amazonen stoben auseinander und flüchteten in die Büsche. Der Schatten hatte Mühe zu folgen. Man konnte deutlich sehen wie sich nur mit größter Anstrengung bewegen konnte. Als er bemerkte wie die beiden Amazonen von den Ästen sprangen wollte er sich eine der Beiden schnappen. Mit voller Wucht drehte er sich um die eigene Achse um mit einem Hieb einer der Amazonen einen tödlichen Schlag zu versetzen. Irgendetwas war anders. Der Schatten hatte keine Kontrolle mehr über sich. Der Schlag ging ins Leere und die Wucht seiner Drehung lies ihn stolpern und zu Boden gehen. Der Schwung reichte aus um den Schatten bis fast an die Büsche rollen zu lassen. Dort rappelte er sich noch einmal hoch, ließ einen markerschütternden Schrei los und brach plötzlich zusammen. Die Amazonen umringten ihn und konnten sehen wie er mit sich kämpfte. Sein Körper zuckte gewaltig und dann blieb er merkwürdig verrenkt still liegen.

Der Jubel kannte keine Grenzen. Übermütig hüpften die Amazonen im Kreis um den am Boden liegenden und sangen Spottlieder. Nur Cindy, die Anführerin der Krieger nahm sich ein Herz und trat mit der Fußspitze dem Schatten in die Seite. Keine Reaktion. Wie tot lag der Schatten da am Boden. Cindy hatte alle Mühe ihre Krieger zur Vernunft zu bringen und mahnte zur Vorsicht. Es wurden die Schwerter gezogen und man stach auf das Bündel ein. Der ganze Zorn der sich angestaut hatte entlud sich in diesem Augenblick. Als immer noch keine Reaktion erfolgte war man schon überzeugt, dass der Sieg endgültig war. Eilends wurde die Königin gerufen und es wurde schon beratschlagt, wie man diese Nachricht zu den Elfen bringen konnte. In der übermütigen Hektik hatte keine mehr einen Blick für den festgefrorenen Schatten.
Unbemerkt von den Amazonen hatte dieser sein Bewusstsein wieder erlangt. Ein entsetzter Schrei einer Amazone lies alle herumfahren. Mit Entsetzen in den Augen konnten sie zusehen, wie sich die Finger bewegten, dann die ganze Hand. Panik kam auf. Wie konnte das sein, war dieses Scheusal den überhaupt nicht zu besiegen. Fassungslos mussten die Amazonen mit ansehen wie langsam wieder Leben in den Schatten kam. Dann mit einem Ruck stand er auf. Ein grässliches Krachen, so als würde Glas zersplittern war zu hören. Der Schatten schüttelte sich und brüllte laut. Es war mehr ein Heulen. Er stand da und schaute sich die Reihen der Amazonen an. Die Krieger hatten ihre Königin umringt und waren unfähig auch nur einen Schritt zu machen. Sie waren alle wie gelähmt. Wenn er jetzt Rache nahm hatte er leichtes Spiel. Aber auch bei dem Unbesiegbaren schien die Erkenntnis zu reifen, dass heute alles anders war als sonst. Er drehte sich um und ging davon. In einiger Entfernung blieb er stehen und brüllte laut, dass er wieder kommen würde. Fassungslos starrten die Amazonen dem Schatten hinterher.
Die Krieger waren wie niedergeschlagen, verflogen war die Euphorie des Sieges und einige zweifelten bereits laut, dass man dieses Scheusal niemals wird besiegen können. Die Königin aber war die erste die ihre Fassung wieder gewonnen hatte. Sie lobte die Krieger für ihren Einsatz und analysierte, dass dieses Erlebnis doch eine wichtige Erkenntnis brachte. Der Schatten hatte seine Schwachstelle. Man konnte ihn kampfunfähig machen und hatte so, wenn auch nur für kurze Zeit, die Möglichkeit ihm eventuell den vernichtenden Schlag zuzufügen.
„Licht und Bernstein, hoffentlich verstehen wir das Orakel richtig“, murmelte die Königin.
Unbemerkt in dem ganzen Chaos näherte sich vom Sanctum her Tarna die Anführerin der Späher. Sie hielt einen Zettel in der Hand und eilte sofort zur Königin. Sakara hat mir eine Nachricht geschickt“. Ihre Stimme überschlug sich fast und man merkte ihr die Erleichterung an. „Sakara ist fündig geworden und hat einen großen reinen Bernstein gefunden.“ Diese Nachricht wurde von den Kriegern bejubelt. Sakara wäre Rot vor Scham geworden hätte sie die Lobesworte der Schwestern hören können.
„Deine Tage sind gezählt, du Scheusal“, murmelte die Königin und machte sich auf den Weg ins Sanctum.
Xiue schrieb, als sie von ihren Gedanken an diese Ereignisse in die Wirklichkeit zurückgekehrt war:
Nur Wasser setzte ihn für kurze Zeit außer Gefecht,
doch dafür hatte er sich schon öfter gerächt.
Junn war weiterhin in den Höhlen tief versteckt,
Bisher hatte der Schatten sie noch nicht entdeckt.
In alten Büchern forschte die Königin nach einem Weg,
was dem Schatten wohl das Handwerk leg’.
Ein Rätsel zur Rettung gaben die Amazonen ihr,
Versteckt hinter Worten – eine mächtige Waffe gegen das Ungetier.
Goldenes Licht gebrochen in des Baumes Blut
Lässt verschwinden dunkle Schattenbrut.
Doch wer konnte dieses Geheimnis nur lösen,
Elfen und Amazonen befreien von all dem Bösen?


Xiue dachte daran, wie man ihr die Geschichte erzählt hatte, dass Junn am Strand auf dem Turm Wache gehalten hatte und von mehreren Pfeilen getroffen, einem Fremden gegenüberstand. Der Fremde erzählte, dass er früher ein Elf gewesen war und mit Junns Vater zusammen die stärksten Kämpfer gewesen waren. Beide verliebten sich in Junns Mutter und kämpften um sie. Junns Vater gewann und der Fremde ging fort. Irgendwann fand er eine uralte Macht und sie zeigte ihm eine Möglichkeit ihre Mutter doch noch zu besitzen. Doch sie liebte ihn nicht und verspottete ihn. Er tötete sie und schwor auch Junn umzubringen. Der Fremde stieß darauf Junn einen Dolch in die Brust und verschwand mit seinem schwarzen Schiff. Die Amazone Janina fand die schwer verletzte Junn und die Schamanin Mai gebot sie ins Elfenland zu bringen, um Junn heilen zu lassen und ihre Selbstheilungskräfte zu stärken. Janina brachte sie unter großen Gefahren übers Meer und erklomm das mächtige Gebirge, das das Elfenland umgab. Eine unserer ältesten Elfen fand die Beiden und kümmerte sich um sie. Quelle