Xiue war auf dem Weg ins Dorf als sie auf Brigitt, eine alte Amazonenfreundin traf. Schon lange hatte Brigitt sich eine Führung durch das Elfenland gewünscht. Xiue zeigte ihr die vielen schönen Orte und ihren Palast. Plötzlich spürte sie starke Wellen von Aggressionen in der Ferne. Beide eilten zum Versammlungsplatz, als Akiko gerade versuchte den Seraphim anzugreifen. Die kleine Amazone stürzte wie wild auf Aramaki zu und warf ein Messer nach ihm. Aramaki zückte seinen Bogen und konnte dem Wurf mit knapper Not ausweichen. Akiko war blind vor Wut, weil sie meinte Aramaki hätte Maryan in Gefahr gebracht. Alles ging sehr schnell.

Akiko startete einen zweiten Angriff und der Seraphim zielte auf Akikos Schulter. Die Königin und Brigitt mussten hilflos mit ansehen, wie der Pfeil die kleine Amazone traf und sie noch verzweifelt versuchte ein weiteres Messer nach ihm zu werfen, doch dabei bewusstlos zusammenbrach. Die Beiden trugen die Verletzte zum Haus der Heilerin und waren in großer Sorge, weil Atalia fortgereist war. Brigitt entfernte den Pfeil, der nicht tief in der Schulter steckte, aber Akiko verlor sehr viel Blut. Xiue versuchte mit dem letzten Tropfen Einhornmilch die Wunde zu heilen, doch es wirkte nicht! Akiko war ein Mensch und wie es schien, half das Mittel nur bei Elfen. Brigitt eilte fort um einige Kräuter zu besorgen.
Aramaki wollte Akiko helfen, doch verbittert stellten sich Maryan und Xiue ihm in den Weg. Misstrauen lag in der Luft. Maryan griff den Seraphim wütend an, doch ihre Kraft war nicht stark genug. Was wenn der Seraphim der kleinen Amazone den Rest geben wollte? Xiue war in großer Sorge und funkelte ihn wütend an. Die Elfe weigerte sich den Weg freizugeben und hoffte inständig Brigitt würde bald zurückkehren. Aramaki spürte wie Akiko schwächer wurde und die beiden Wächter vor ihrem Bett waren hartnäckig. Zu kurz war die Zeit um ihr Vertrauen zurückzugewinnen. Mit jeder Sekunde schwand Akikos Lebenskraft mehr. Die Kleine rührte sich nicht mehr und ihr Atem wurde schwächer. Dem Seraphim blieb keine Wahl, er musste etwas tun. Entschlossen schleuderte er die Beiden an die Wand und ging zu ihrem Bett. Xiue traf es unglücklich am Kopf und die Elfe blieb bewusstlos an der hinteren Wand liegen. Maryan rappelte sich schnell wieder auf und zückte ihre Sai’s. Lass die Finger von Akiko!“ brüllte sie. Aber Aramaki ließ sich nicht beirren. Er legte beide Hände auf die Brust der Amazone und murmelte etwas in einer uralten Sprache. Maryan versuchte Aramaki vom Bett wegzuschleudern, aber er kam ihr zuvor und die Kleine landete an der Wand. Der Seraphim leitete einen Energiestrom zu Akiko und sie atmete wieder langsam und ruhig. Langsam erlosch der Energiestrom und Aramaki schleppte sich erschöpft zur Tür hinaus. Maryan schaute ihm wütend nach.

Xiue kam langsam wieder zu sich. Die kleine Amazone schlief nun ruhig, als Brigitt mit den Kräutern zurückkehrte. Brigitt kam ins Haus und half Xiue auf die Beine. Die Königin schaute benommen um sich. Maryan wollte nicht sagen was geschehen war und haftete mit ihrem Blick nur an Akiko. Die Amazonendruidin wunderte sich, dass es Akiko wieder gut ging und ihre Wunde verschlossen war. Candia und SandyLee trafen nach einiger Zeit ein. Akiko war inzwischen erwacht. Candia richtete sich an Brigitt: „Es scheint sich Schlimmes zugetragen zu haben. Wisst Ihr mehr darüber?“ , „Der Seraphim hat Akiko mit einem Pfeil getroffen. Sie war verletzt.“, „Was hat der Seraphim getan?“ Candia schüttelte ungläubig den Kopf. „Das hätte ich nie gedacht.“ Xiue versuchte ihre Tränen zu verbergen und schluchzte leise vor sich hin. Candia blickte in die verweinten Augen ihrer Mutter und war noch verwirrter als zuvor. Die Elfe fragte erschrocken: „Mutter? Steht es so schlimm um die kleine Akiko?“ Xiue antwortete nicht und Brigitt erklärte: „Der Seraphim hat Maryan versucht ihre Magie zu zeigen. Maryan hatte Angst und Akiko wollte sie dann verteidigen. Zu gut.“
Candia grummelte: “ Ich dachte, ich habe ihm klargemacht, dass er das nur in meinem Beisein darf.“ Xiue murmelte entgeistert: „Ich war nicht Herr der Lage, ich habe versagt.“ Da drehte sich Candia zu ihrer Mutter: „Das glaube ich Euch nicht. Würdet Ihr mir bitte folgen? Die Elfe trat in das Haus der Heilerin ein. Maryan kniete neben Akikos Bett. Xiue folgte der Elfe einige Schritte, blieb jedoch geschockt vor der Tür stehen. Candia sah erschrocken zu Akiko und merkte, dass ihre Mutter sich weigerte einzutreten. „Mutter, ich bitte dich komm rein!“ Maryan legte ihren Arm um Maryans Hals und hob den Kopf leicht an. Mit ihrem Ärmel wischte sie über Akis Gesicht. Doch Akiko wandte sich ab, wiel sie Maryan vor Scham nicht anzusehen wagte. Maryan aber drehte den Kopf zu sich und flüsterte zu ihrer Freundin: “ Akiko, du darfst niemals denken, dass du nichts bist.“ Candia trat leise an Maryan heran: „Liebste, wie geht es Akiko?“ Maryan kuschelte sich an ihre Adoptivmutter und fing an zu weinen. „Alles wegen mir“ schluchzte sie. Sie nahme ihre Tochter beruhigend in den Arm: „Nein, dem ist so nicht.“ Maryan antwortete weinerlich: „Aber Akiko sagte, sie wäre ein Nichts.“ Candia beruhigte sie:“ Es war mit sSicherheit nicht deine Schuld.“ Doch die Kleine ließ sich von ihrer Überzeugung nicht abbringen. Xiue hörte was im Haus gesprochen wurde und gab sich ebenfalls die Schuld für das Geschehene. Maryan fiel auf ihre Knie und weinte: „Wenn es mich nicht gäbe, dann wäre das alles nicht passiert.“ Candia setze sich auf den Boden und blickte liebevoll zu ihrem kleinen Schmetterling.: „Nein, bitte denke soetwas nicht. Dui bist mein ein und alles.“ Die Kleine wünschte sich im Boden zu versinken. Zärtlich strich Candia über ihre Wange: “ Du bist mein Sonnenschein und nichts geschieht ohne Grund. Doch du bist sicher nicht schuld an dem Geschehenen.“ Akiko starrte immer noch die Wand an und rührte sich nicht. Maryan bat ihre Mutter inständig mit Akiko zu reden, um sie von ihren Selbstzweifeln zu heilen. Ihre Mutter nickte wortlos.
Währendessen warteten Brigitt und SandyLee vor dem Haus und unterhielten sich. Brigitt wollte sobald wie möglich nach Amazonien zurückkehren. SandyLee bat sie Grüße an die Hoheiten auszurichten und ihnen mitzuteilen, dass sie eine Halbelfe war. Die Amazone war sprachlos. SandyLee erzählte, dass Atalia, die Heilerin der Elfen, sie getestet hatte und die Flügel kein böser Zauber waren. „Die werden also bleiben?“ fragte Brigitt. „WEnn ich nicht lerne sie zuverstecken, dann ja.“ Sie sprachen noch ein wenig über die aktuellen Ereignisse bis sich Brigitt dann auf den Weg machte. Xiue lag schluchzend in einer der Elfenschaukeln und Aramaki erkundigte sich nach ihrem Wohlergehen. Die Elfe konnte dem Seraphim nicht in die Augen sehen. Aramaki deutete das Verhalten, dass sie ihm die Schuld geben würde und meinte: „Ich habe mich doch nur verteidigt.“ SandyLee hörte was der Seraphim gesagt hatte und konterte trotzig: „Sicher, gegen kleine Kinder.“ Aramaki ergänzte den Satz noch mit den Worten: „Gegen ein kleines Kind, das die großen Gifte der Amazonen benützt und ich habe mein Leben riskiert, um sie zu retten.“ SandyLee schaute ungläubig zu dem Seraphim.
Im Haus setzte sich Candia an Akikos Bett und Maryan schaute besorgt zu ihrer Freundin. Tränen rannen über ihr Gesicht. Ihr Mutter versuchte mit Akiko zu reden: „Akiko? Kleiner Wirbelwind? Was ist geschehen? Bitte sprich mit mir.“ Maryan verließ dabei wortlos die Hütte. Draußen schaute Aramaki hilflos zur Königin: „Wollt Ihr denn gar nichts sagen? Ihr wißt, ich wollte ihr nichts tun.“ Xiue stand auf und schaute mit ausdruckslosem Gesicht zu Boden. Maryan ging zu dem Seraphim und trommelte mit ihren Fäusten auf seine Brust. „Du bist schuld! Du hast Akiko verletzt und gebrochen. Du hast meiner Oma wehgetan..du…du…du..“, „Ich?“ Aramaki blickte zu der Kleinen hinunter. „Ja, DU!“ brüllte sie ihn wütend an. SandyLee flüsterte vorsichtig: „Oma?!“ Xiue sah geschockt in die Gesichter der Anwesenden. Aramaki versuchte sichzu verteidigen: “ Ich habe mich gewhrt..jemanden nicht sterben lassen.“ Maryan haute nur noch fester auf den Seraphim ein. “ Du hättest Akiko nicht beschießen müssen. Du hättest es auch andere Methoden gehabt! Grrrrr…!“, „Sie hat mir keine Wahl gelassen.“ antwortete Aramaki. „Ich will mit dir nichts mehr zu tun haben und ich will auch nicht von dir unterrichtet werden.“ Mit diesen Worten wandte sie sich angewidert ab. „Sie wollte mich töten, nicht ich sie.“, „Sie ist noch ein Kind, du bist ein Erwachsener.“ warf SandyLee ein. „Dann nehmt diesem Kind ihre Gifte weg. Meine Flügel sind immer noch taub.“
Xiue fragte plötzlich verstört: „Wieso nur, wieso mußte das alles nur passieren? Ich konnte ihr nicht helfen.“ Maryan schaute wutentbrannt zu Aramiki: Muß man jemandem wenn erstielt gleich die Hände abschneiden, Aramaki?“ Voller Zorn schleuderte sie den Seraphim einige Meter nach hinten. Candia bat in der Hütte Akiko mit ihr zu sprechen, doch Akiko schien durch die Elfe hindurch zu sehen. Sorgenvoll blickte in die leeren Augen der kleinen Amazone. Akiko flüsterte: „Hab versagt…“ Candia erwiderte: „Du hast nicht versagt, liebste Akiko. Du bist ein Kind und keine ausgewachsene Amazone.“, „Mai sagte, ich soll Maryan beschützen, habs nicht geschafft..kann nichts…bin nichts…“, „Nein Liebes, du hast getan was du konntest.“ Candia blickte ernst in ihre Augen, doch Akiko wandte sich ab: „Ich kann nichts, ich bin nichts. Ich bin eine Versagerin. Nichmal Maryan kann ich beschützen! Nickts kannich…“ Candia antwortete bestimmt: „Doch Akiko, du kannst eine Freundin sein und binst ein wunderbarer Mensch. Der Seraphim hat unrecht getan. Ich hatte ihm gesagt, er dürfe Maryan nicht ohne mein Beisein unterrichten. Es ist meine Schuld, nicht deine.“ Akiko hörte plötzlich, dass draußen etwas geschah und sie stand auf. Maryan beschimpfte den Seraphim wild: „du hast sie verletzt. Hat ein Erwachsener wie du keine anderen Methoden um ein Kind zu stoppen, außer es fast zu töten?“ Vor Wut schleuderte sie den Seraphim wieder einige Meter weit. Candia kam Akiko hinterhergestürmt und fuhr Aramaki barsch an: „Seraphim? Ich dachte, ich hätte mich gestern klar ausgedrückt?! Kein Unterricht ohne meine Anwesenheit.“ Der Seraphim sah sie wortlos an. Akiko legte die Hand auf Maryans Schulter und schaute zu Boden. Mit lauter Stimme schrie sie: „RUHE ALLE!“
Aramaki rappelte sich auf und sagte noch leise: „Ich habe keinen Unterricht erteilt..“ und schwieg dann. Akiko schwankte auf Aramaki zu und verneigte sich respektvoll. „Danke.“ Die Anwesenden blickten sich verwundert an al Aki wieder ins Haus ging. Maryan fragte sich was das zu bedeuten hatte. Aramaki folgte ihr ins Haus. Xiue war unendlich wütend auf sich selbst und senkte den Blick, als er an ihr vorbeiging. Maryan zupfte an Candias Kleid. „Ja, Maryan?“, Maryan flüsterte: „Ich will nicht von ihm unterrichtet werden. Maryan machte sich große Sorgen um Akiko, dass sie sich irgendetwas antun könne. Aramaki versuchte derweil herauszubekommen, warum Akiko ihm gedankt hatte und warum sie ihn töten wollte. Akiko schwieg und flüsterte nur ein Wort „Seppuku“, doch niemand verstand es. Aramaki sprach zu ihr: “ Na, komm. Wovor hast du Angst? Du hast dich einem Seraphim gestellt. Du bist dem Tod entkommen und jetzt bringst du kein Wort heraus. Akiko, du wirst einmal eine mutige und starke Kriegerin werden. Glaub mir, auch wenn du mich umbringen wolltest, mag ich dich.“ Akiko kullerten ein paar Tränen herab. Aramaki wischte die Tränen von ihrer Wange. „Akiko, ich weiß, du mochtest mich noch nie, aber ich will dir dennoch sagen, ich bin hergekommen, um euch zu helfen, aber anscheinend versteht ihr alles falsch und deshalb werde ich das Dorf warhscheinlich verlassen.“ Akiko flüsterte noch: „Danke für die Rettung.“, „Das habe ich gern gemacht, aber erwarte das nicht von jedem Gegner. Die meisten Gegner kennen kein Mitleid…“ Da trat Xiue heran: „Ich hab als Königin versagt. Ich konnte Akiko nicht helfen und habe falsche Entscheidungen getroffen, meine Würde untergraben und mein Vertrauen in mich selbst verloren. Ich muss fort. Ich kann nicht mehr…“ Mit diesen Worten machte sie sich aus dem Staub. Candia und Maryan versuchten Xiue wieder zur Vernunft zu bringen, doch sie wollte von alledem nichts hören. „Wie soll ich den Elfen nur je wieder in die Augen schauen können nach diesem Vorfall?“ Candia versicherte ihrer Mutter wie sehr sie sie liebet. Die Königin und Maryan gaben sich selbst die schuld, doch Candia baute die Beiden auf und erklärte, niemand hatte schuld und beide würde zu hart über sich urteilen. Sie machte Xiue klar, dass ihr weiches Herz sie zu einer guten Königin machte. Nach dieser überzeugenden Rede, lagen sich alle in den Armen. Candia wollte sich dann um Akiko kümmern, Maryan aber blieb bei ihrer Oma.




