Die Chronik des Elfenlandes - Der Anfang

eiche.jpgKommst du mit mir? Ich bin die Stimme deines Herzens. Komm…folge mir! Du wirst der Wind sein, der in den Blättern weilt. Lausche den Bäumen, die ihre Geschichte erzählen, dem Wald mit seinem Rauschen. Hörst du es?

 

Eine alte Eiche knarrte und begann mit tiefer Stimme zu erzählen: „Ich war noch jung und meine grünen Blätter saftig, da hörte ich eine Geschichte aus vergangener Zeit, weitererzählt von Generation zu Generation. Bewahre sie in deinem Herzen, du übermütiger Wind, der in meinen Blättern spielt - wer immer du auch sein magst. Trag sie fort und flüstere sie denen ins Ohr, die sich nach den Geschichten ferner Orte und Zeiten sehnen.“

 

Das Geheimnis des Wassers

 

Ein glitzerndes Meer von Grashalmen wiegte sich im Morgenwind. Der grüne Teppich, geschmückt mit bunten Perlen von Tautropfen, fing das Licht der Morgensonne auf. Goldene Sonnenstrahlen spielten mit den Fischchen im Fluss und die Wiesenblumen am Ufer waren Zeuge vom vergnügten Spiel. Der große Fluss zog sich durch das ganze Land und tränkte die Erde mit dem Zauber des Glücks.

 

Canida, die kleine Elfe

Eine junge Elfe flog über das gräserne Meer und erkundete die Umgebung. Plötzlich hörte sie eine wundersame Melodie, die über das Wasser getragen wurde. Was war das? Verwirrt schaute sie sich um. “Geh zurück zum Ursprung!” flüsterte ihr eine Stimme zu: “Flieg dorthin, woher das Wasser gekommen ist und lerne sein Geheimnis kennen.”, “Wo bist du?” fragte die junge Elfe. “Ich bin hier.” tönte es aus dem Wasser. Ein kleines Fischchen streckte seinen Kopf aus dem Wasser und nickte der Elfe freundlich zu. “Beeil dich!” mit diesen Worten verschwand es wieder im Wasser. “Warte!” Die Elfe versuchte das Fischchen aufzuhalten, aber es hörte sie nicht mehr. Von Neugier getrieben, folgte das zarte Wesen dem Fluss stromaufwärts.

 

War es der Gesang eines Wesens? Woher kam er nur? Die Elfe flog über das Wasser, als ein seichter Nebel aufzog. Ein seltsames Rauschen war entfernt zu hören. Der Nebel wurde langsam dichter und die Elfe irrte dem lauter werdenden Rauschen entgegen. Mit einem Gefühl des Glücks schwebte sie über die Nebelschwaden. Ein silbernes Glitzern umhüllte die kleine Elfe. Verwundert betrachtete sie den glitzernden Nebel und vernahm wieder diese leise Melodie. Ihre Augen weiteten sich. Der Nebel sang?! Was für ein Zauber war dies?

 

Entschlossen das Geheimnis zu lüften, flog sie dem Rauschen entgegen. Ein gigantischer Wasserfall bahnte sich seinen Weg durch den harten Fels. Das Tosen der Wassermassen übertönte jedes Geräusch und die Elfe konnte die Musik nicht mehr hören. Verzweifelt suchte sie hinter dem Wasserfall. Doch da war nichts, nicht einmal eine Höhle konnte sie entdecken. Sie versuchte ihre Gedanken zu sammeln und etwas in ihrer Umgebung zu erfühlen. Weder die Tiere noch Pflanzen in ihrer Nähe schienen für den Zauber verantwortlich zu sein. Etwas frustriert dachte sie nach:. „Der Fluss kam aus dem Inneren der Erde. Vielleicht war es ein Wesen, das tief unter der Erde wohnte und das Wasser verzauberte?“ Die kleine Elfe überlegte, ob sie über den Felsen fliegen sollte, um dem unterirdischen Wasserlauf zu folgen.

 

Sie wandte ihren Blick nach oben über die steile Felswand, die sich wie eine riesige dunkle Mauer vor ihr aufbaute. Dort oben leuchtete etwas! Die anfängliche Furcht wich der Neugier. Durch die Gischt des Wasserfalls konnte sie nicht erkennen, was das war. Vorsichtig flog sie näher und duckte sich unter einen Felsvorsprung. Die Gestalt nahm langsam Form an. Gespannt kletterte sie höher. Die Elfe kniff die Augen zusammen. Ein golden leuchtendes Wesen spielte auf einer Harfe. Eine seltsame Vertrautheit stieg in ihr hoch, doch sie konnte nicht erkennen, wer dies war.

 

Da erkannte die kleine Elfe die Stimme der Wächterin der Einhörner. Freudig und erleichtert kam sie aus ihrem Versteck hervor und setzte sich ins Gras, um dem lieblichen Gesang zu lauschen. Die kleine Elfe überkam ein Gefühl des Glücks und die tief sitzende Schwere in ihrem Herzen löste sich. Seit Xiue, die Elfe der Einhörner, sie im Wald gefunden hatte, konnte sie sich an nichts aus ihrer Vergangenheit erinnern. Nur ihr Name war ihr geblieben: Candia - ein Name, dessen Klang wie süßer Honigkuchen den Gaumen kitzelte. Die Traurigkeit, die die Elfe seit Tagen mit sich herumgetragen hatte, war mit einem Male verschwunden. Candia fasste wieder Mut. Eines Tages würde sie das Geheimnis um ihrer Vergangenheit lüften.

 

Die letzten Klänge der Harfe verbreiteten sich über das Wasser. Das goldene Funkeln verwandelte sich in eine schöne Gestalt mit lockig wallendem Haar und den goldroten Flügeln einer Elfe.

Elfe der Einhörner

„Candia, du bist ja schon wach?“ fragte Xiue erstaunt. Die kleine Elfe zuckte zusammen, zu sehr war sie in Gedanken vertieft gewesen. Candia sah ihre neue Mutter mit großen Augen an. “Komm ich lade dich zu einer Tasse Tee ein.” antwortete Xiue auf Candias verwirrten Blick. Erst jetzt merkte die kleine Elfe, dass sie sich ganz in der Nähe von Xiues Haus befand. Candia wunderte sich, dass sie den Wasserfall noch nicht früher bemerkt hatte.

“Was für ein Zauberlied war das?” fragte sie die Wächterin der Einhörner, als sie in die Hütte traten. Sie konnte es gar nicht erwarten alles über die wundersamen Dinge dieses Landes zu erfahren. Wieso verwandelte sich die Landschaft manchmal über Nacht? Was waren das für Blumen die in Sekunden erblühten und wieder verschwanden?

Candias Neugier wurde immer größer. Xiue reichte ihrem Töchterchen eine Tasse süßen Waldbeerentee und setzte sich: “Es ist eines der Geheimnisse, die ich behütet habe und nur wenige sind darin eingeweiht. Aber da ich dich als meine Tochter angenommen habe, werde ich es dir erzählen.”

 

Xiue schaute in Gedanken versunken in ihre Tasse und erzählte weiter: “Seit ich in dieses Land gekommen bin, singe ich des Morgens, am Tag der ersten Mondsichel den Zauber des Glücks. Das Wasser des Flusses trägt ihn fort und lässt das ganze Land erblühen. Das ist das Geheimnis der Harmonie, die dieses Land erfüllt. Deshalb blüht es auch im Elfenland das ganze Jahr über, nicht nur in den Wäldern, wo die Einhörner leben.”

 

Eine neue Aufgabe

 

Jan, der Zauberer der Elfen“Woher hast du diese Kraft?” wollte Candia gerade fragen, als es an der Tür kratzte. Xiue öffnete die Tür und bat den Besucher herein. Ein brauner Kater stand in der Tür. Candia hatte ihn noch nie zuvor gesehen. „Puff!“ mit einem Male stand der Zauberer Jan vor der kleinen Elfe, die etwas erschrocken nach Luft schnappte. Die Wächterin bot ihm eine Tasse Tee an und der Zauberer setzte sich zufrieden an den Kamin.

 

„Hast du dich nun entschieden?“ fragte Xiue den Zauberer, der genüsslich den Tee in sich hineinschlürfte. Candia beobachtete den Istari neugierig. Ihre Flügel begannen zu zittern, denn sie hatte eine Ahnung, warum der Zauberer gekommen war. Candia wollte all die rätselhaften Dinge verstehen und sie wünschte sich diese Kräfte beherrschen zu können. Sie hatte den Zauberer die letzten Tage aufmerksam beobachtet und versucht auf eigene Faust die Welt der Magie zu erforschen. Leider war dabei auch einiges schiefgegangen. Sie zuckte etwas zusammen, als sie daran dachte, wie der Vergrößerungszauber den Apfel zum explodieren gebracht hatte und ausgerechnet beim Zauberer auf dem Gewand gelandet war. Jan erkannte ihre Gedanken und mit einem Schmunzeln, wandte er sich an Candia: „Damit du mir nicht noch mehr anstellst, habe ich beschlossen, dich in die Lehre zu nehmen.“ Der kleinen Elfe blieb der Mund offen stehen, das war das Letzte, an das sie jemals gedacht hätte. „Bedank dich bei deiner Mutter. Sie war es, die mich letztendlich überzeugt hat.“ Candia fiel überglücklich der Elfe der Einhörner in die Arme und ihre Augen leuchteten wie zwei Morgensterne.

 

Die kleine Elfe war in einer Hinsicht ein kleiner übermütiger Dickkopf, aber auch wie die Knospe einer weißen Rose - zart und schön. Im Verlauf ihrer Ausbildung machte Candia große Fortschritte. Xiue sah mit Stolz wie ihre Tochter heranwuchs und von Tag zu Tag mehr erblühte.

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Xiue, die Wächterin der Einhörner.

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