Junn schwebte seit einiger Zeit in einem Dämmerzustand. Sie hatte jegliches Gefühl für Raum und Zeit verloren. Sie spürte wie ihre Kräfte langsam wieder zurückkehrten. Als SandyLee aufwachte und alleine war, entschied sie sich aufzustehen und ein wenig frische Luft zu schnappen. Nach einiger Zeit traf sie auf Jan und Xiue mit denen sie sich ein wenig unterhielt.
Während Candia noch auf der Suche nach frischen Kräutern war, erhielt sie plötzlich eine Nachricht von Jan dem Zauberer und Xiue, der Elfe der Einhörner:“ Komm schnell, SandyLee ist uns gerade begegnet, ihr wurde plötzlich schwindlig, wir haben sie wieder ins Haus der Heilerin gebracht.“ Die kleine Elfe ging besorgt zu SandyLee und dachte bei sich, zum Glück waren Jan und Xiue in der Nähe, sonst hätte noch sonst was passieren können.“
SandyLee wollte alles über das Elfenreich erfahren: „Ich bin so neugierig auf euer Land, wie ihr lebt, wie ihr wirklich seid. Die Geschichten sind alle so wage und unbestimmt und vermutlich verfälschen sie das Bild über euch total. Ich habe schon festgestellt, dass ihr nicht alle mit Flügeln rumflattert und die ganze Zeit singt.“ Die kleine Elfe überlegte kurz und sagte dann: „Ich mache dir einen Vorschlag, wenn unsere Königin Annemarie es erlaubt, werde ich dich im gesamten Elfenland herumführen und ich werde versuchen die Königin davon zu überzeugen, dass es für die Gesundheit von Junn nicht abträglich ist, wenn du sie besuchst. Natürlich nur wenn auch die Heilerin damit einverstanden ist. Ich glaube, dass es Junn sicherlich freuen wird ein bekanntes Gesicht zu sehen, wenn sie aus ihrem langen Heilungsschlaf erwacht.“ SandyLee lauschte den Worten von Candia und bevor sie etwas sagen kann, ging Candia wieder aus dem Haus der Heilerin. SandyLee schaut ihr hinterher und legt sich wieder hin.
Atrista schaute der schwarz umhüllten Gestalt nach wie sie von Kriegern begleitet aus dem Sanctum geführt wurde. Es war die erste Begegnung mit einem der geheimnisvollen Schattenwesen. Der Schatten hatte sich Kamaria genannt, bezeichnete sich selbst als Wanderer zwischen den Welten und ohne Heimat und hatte der Arbitra angeboten sie im Kampf gegen die Schatten zu unterstützen. Wenn man den Ausführungen Kamarias Glauben schenken durfte, dann gab es in der Schattenwelt harmlose Wesen, die als Gedankensammler auf allen Welten die guten und positiven Gedanken jagten um sie aufzunehmen und so ihr Bewusstsein erweiterten. Es soll aber auch solche geben die alles negative Denken aufsaugen und so eine machtvolle und bösartige Bewusstseinserweiterung erfahren und damit allen Wesen aus Fleisch und Blut großen Schaden zufügen können. Atrista fröstelte bei dem Gedanken an die geheimnisvolle Gestalt. Unter dem schwarzen Umhang schien es keine feste Gestalt zu geben, Es war wie die Begegnung mit einem Geist. Atrista wusste nicht so richtig was sie von Kamaria halten sollte. „Immerhin, unser Gegner hat jetzt ein Gesicht“, dachte sie und schloss die Augen.
Atrista öffnete die Augen als sie das Rascheln der Efeublätter vernahm. Zwischen den Pfosten des Sanctums stand Tarna, die Späherin. Sie berichtete wie SandyLee im Elfenland spazieren war und dass es ihr scheinbar besser ging. Eindringlich bat sie die Hoheit um Erlaubnis tiefer ins Elfenland vordringen zu dürfen. Doch Atrista erwiderte: „Warte damit noch ein paar Tage, warten wir auf die nächste Begegnung mit den Schatten, es ist Bewegung ins Spiel gekommen“ „Auch wenn ich eure Taktik nicht ganz verstehe Hoheit, wir warten.“
Atrista versuchte mit dem Orakel in Kontakt zu treten und erzählte ihm alles, was sie wusste. Das Orakel hatte geduldig zugehört und als Atrista fertig war legte es beruhigend eine Hand auf Atristas Schultern: „Du hättest früher kommen sollen, die Schatten sind den Göttern nicht unbekannt. Es gibt gute Mächte unter ihnen aber auch gefährliche Mächte. Noch nie hatte sich ein Volk erfolgreich gegen die bösen Mächte wehren können. Es hilft keine Magie und auch keine Waffe. Die Götter aber sagen, dass es etwas gibt das sie vernichten kann. Die Schatten wissen das auch und brauchen ein Mittel, was sie auch dagegen immun sein lässt. Sie brauchen das Blut einer Kreuzung aus Mensch und Elfe und es ist sehr wahrscheinlich, dass unsere Kriegerin Junn diesen Kriterien entspricht und sie deshalb in Gefahr ist.“
Atrista hatte erschrocken zugehört. „Wenn diese Schatten unbesiegbar sind, dann sind wir verloren es sei denn wir finden heraus was die Götter wissen. Was sagen die Götter, Orakel hilf uns, wie können wir Junn helfen, wie können wir den Elfen helfen und noch viel wichtiger wie können wir uns künftig gegen die Schatten wehren?“ Das Orakel sah lange in die Augen der Arbitra und sah die Entschlossenheit dieser Frau. Dann drehte sie sich um und verschwand im Tempel. Atrista wartete lange und geduldig auf das Erscheinen des Orakels. Endlich als Atrista schon gar nicht mehr daran geglaubt hatte erschien das Orakel, legte wieder die Hand auf Atristas Schultern und sprach:
„Dem Bösen wird das Spektrum der Farben, gebrochen im Blut der Bäume zum Verhängnis“ Nach einer Weile der Stille flüsterte die ehrwürdige Gestalt: „Geh, und mach etwas daraus, das ist dein Hinweis.“ „Das ist alles?“ rief Atrista erstaunt, „das soll ein Hinweis sein?“ „Das ist der Hinweis meine Tochter, gehe jetzt und finde die Lösung bevor die Schatten an das Blut der Kriegerin kommen.“ Mit diesen Worten drehte sich das Orakel um und verschwand wieder im Tempel. Atrista blieb alleine zurück. Ihr war so als wäre die Last jetzt noch drückender und in Gedanken wiederholte sie immer wieder die Worte die den Hinweis gaben aber ihr wollte einfach keine Lösung einfallen. Gedankenschwer machte sie sich auf den Rückweg zum Sanctum.
Unzählige Schatten wurden seitdem in den Wäldern des Elfenlandes wahrgenommen, die dort umherstreiften. Die Königin der Elfen versuchte verzweifelt herauszufinden, wer diese Gestalten waren. Candia wartete eine ganze Zeit lang vor dem Thronsaal, doch wie sie feststellen musste war die Königin der Elfen nicht zugegen. Und da sie ihrer Freundin schon solche Hoffnungen gemacht hatte, suchte sie den Zauberer Jan auf und fragte ihn ob er ihr doch bitte die Erlaubnis geben würde das SandyLee und sie selbst zu Junn vorgelassen werden, die nun immer öfter aus ihrem Schlaf zu erwachen schien.
Dieser war jedoch etwas skeptisch, ob das so eine gute Idee war, doch zu guter letzt willigte er ein, aber nur unter der Voraussetzung das auch die Heilerin Aischa zustimmte. Und Candia musste den Auftrag annehmen, den Amazonen eine Botschaft über den Zustand von Junn und SandyLee zukommen zu lassen. Bereitwillig nahm sie die Bedingungen an.
In ihrem Häuschen setzte sie sich an den Tisch und verfasste die Botschaft an die Amazone Tarna, diese lautete:
„Bitte übermittle euren Hoheiten folgende Nachricht: Edle Amazonen, mir wurde die Ehre zuteil euch davon zu unterrichten das es Junn von Tag zu Tag besser geht und auch das auch SandyLee sich sehr rasch erholt und bald zu euch zurückkehren kann. Doch bat SandyLee mich darum ihr noch unser schönes Elfenland zu zeigen und auch Junn einmal zu besuchen, bevor sie wieder zu euch zurückkehrt. Deshalb bitte ich noch um etwas Geduld, aber eure Gefährtinnen werden bald wieder bei euch sein.“
Vorsichtig band die Zauberlehrlingselfe die Nachricht an den Fuß ihrer zuverlässigsten Taube und ließ sie fliegen.
Gleich darauf machte sie sich auf zum Haus der Heilerin und fragte auch sie um Erlaubnis Junn mit SandyLee zusammen besuchen zu dürfen. Die kleine Elfe versprach der Heilerin nicht zu zögern wenn ihr etwas seltsam vorkommt und umzukehren. Auch versicherte sie ihr ein Auge auf SandyLees Zustand zu haben.
Candia versuchte darüber hinweg zu sehen wie zerstreut und nachdenklich Aischa war. Es schien ihr etwas einfach nicht aus dem Kopf zu gehen. Nur was? grübelte Candia ganz kurz, versuchte dann aber ihre Gedanken wieder der Begegnung von Junn und ihr zu widmen. Erleichtert und mit Freude erfüllt war sie auf dem Weg zu ihrer Freundin SandyLee, um ihr die gute Kunde zu überbringen. Da begegnete sie noch einmal dem Zauberer Jan. Während sie sich unterhielten tauchte ein Schattenwesen auf. Jan versuchte dann sogleich einen Zauber über das Geschöpf der Dunkelheit zu legen und es damit einzusperren. Als es sich kurze Zeit darauf wieder befreien konnte und etwas entfernt von Candia und dem Zauberer stehen blieb, erschien ihre Königin Annemarie. Sofort berichtet Jan ihr von dem zuvor Geschehenen.
Die kleine Elfe empfand es sehr mutig was ihre Hoheit anschließend tat. Selbstsicher stellte sie sich dem dunklen Geschöpf entgegen, als es auf sie zutrat. Drohend gebar es den drei Elfenlandbewohnern das sie, es schien noch mehr von ihnen zu geben, die Herausgabe der Kriegerin Junn forderten. Doch Annemarie weigerte sich strickt und erzählte ihnen das diese gestorben sei. Candia versuchte dem Wesen klar zu machen das die Elfen den Brauch hatten verstorbene einzuäschern und in der Natur zu verstreuen um sie wieder in den Kreislauf des Lebens zurückzuführen. Die Königin ergänzte: „Dadurch werden sie als Blumen wiedergeboren. Aber nur derjenige der reinen Herzen ist kann diese Blume finden.“
Der Schatten war außer sich vor Wut. Langsam näherte er sich Candia, diese war starr vor Angst. Doch nur wenige Zentimeter vor ihrem Gesicht blieb er stehen und nahm einen tiefen Atemzug. „Nein du bist nicht geeignet“ meinte er. Candia verstand nicht ganz was er meinte, doch als das Wesen auf ihre Königin zuging versuchte sie ihre Angst zu besiegen und sagte „Lasst unsere Königin in Ruhe“, aber das Geschöpf lachte nur höhnisch und nahm auch in der Nähe von Annemarie einen tiefen Atemzug. „Nein auch ihr kommt nicht in Frage“ war seine Bewertung. Er wollte wissen, wo die Elfen sind die nicht reinen Blutes waren. Aber Annemarie blieb hart und sagte es gäbe keine. Nach langem hin und her verschwand der Schatten so schnell wie er gekommen war.
Am ganzen Körper zitterte die kleine zierliche Elfe, als Annemarie und Jan anfingen darüber zu beraten, was nun geschehen soll und was sie gegen diese Kreatur unternehmen sollten. Candia bat die Königin gehen zu dürfen um nach SandyLee zu sehen. Mit vollem Respekt vor dem Mut der Königin verbeugte sie sich und schritt Richtung SandyLee.
Quelle: Amazonen- und Elfenforum